Erschienen in Ausgabe 11-2017Unternehmen & Management

Bloß keinen Streit

Mediation in der Kfz-Haftpflichtversicherung

Von Hans G. SchleichVersicherungswirtschaft

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Große Personenschäden bedingt durch Unfälle oder medizinische Fehlbehandlungen bedeuten für die Betroffenen eine dramatische Veränderung der Lebensumstände und für die Haftpflichtversicherer die Zahlung hoher Beträge. Die Regulierung stellt Versicherer, Geschädigte und ihre Rechtsanwälte häufig vor große und lang anhaltende Herausforderungen. Häufig ziehen sich die Verhandlungen über Jahre hinweg und belasten beide Seiten, insbesondere die Opfer und deren Angehörige. Ein gemeinsames Pilotprojekt von Swiss Re und Reintra zeigt auf, dass Mediation zwischen den Streitparteien Lösungen ermöglichen kann, die für beide Seiten annehmbar sind und rascher zustande kommen.
Ziel war es, das Potenzial für Mediationsfälle in der Kfz-Haftpflichtversicherung zu erfassen, Faktoren zu erkennen, die mediationsförderlich bzw. -hinderlich sind und Erfahrungen mit diesem Verfahren bei allen daran Beteiligten zu sammeln. Im Projekt untersuchten die fünf Haftpflichtversicherer Generali Deutschland, Nürnberger Allgemeine Versicherungs-AG, Huk-Coburg, Versicherungskammer Bayern und die R+V Allgemeine Versicherung AG zusammen mit den Initiatoren Swiss Re und der Reintra GmbH die Chancen einer schnelleren und gütlichen Einigung durch Mediation.

Erwartungen werden in den meisten Fällen übertroffen

Mediationen erfordern von allen Beteiligten Offenheit für eine neue Methode der Konfliktlösung, zeitliches Engagement, Vertrauen und Kenntnisse über die Organisation und den Ablauf der Mediation sowie eine Zielvorstellung, was mit einer Mediation erreicht werden soll. Hinsichtlich der Fallauswahl berichteten die Versicherer, dass es großer Überzeugungsarbeit bedarf, Rechtsanwälte und noch mehr die Geschädigten davon zu überzeugen, sich auf eine Mediation einzulassen. Als hilfreich erwiesen sich detaillierte Erläuterungen zur Methode und der Hinweis, dass die Teilnahme absolut freiwillig ist und die Aussagen in der Mediation bei eventuell doch anstehenden künftigen Gerichtsverfahren nicht verwertet werden dürfen. Die Versicherer berichteten ferner davon, dass es intern der Sensibilisierung der (Groß-) Schadensregulierer bedarf, sich auf Neues einzulassen und sich auf die unter Umständen existierenden Vorbehalte der Rechtsanwälte und Geschädigten einzustellen. Von Seiten der Rechtsanwälte waren auch gewisse Hemmschwellen und offene Fragen festzustellen: Wer führt die Mediation durch? Ist die Neutralität gewahrt? Wie wird mit den erhobenen Informationen umgegangen? Wie aufwändig sind die…