Erschienen in Ausgabe 11-2017Unternehmen & Management

Schweres Los

Digitalisierung und Regulatorik stellen Lebensversicherer in den nächsten Jahren vor eine harte Kraftprobe

Von Dr. Klaus Friedrich und und Prof. Dr. J.-Matthias Graf von der SchulenburgVersicherungswirtschaft

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Die Niedrigzinsphase hält an, Solvency II ist in Kraft, die Zinszusatzreserve wächst, das Lebensversicherungs-Reformgesetz (LVRG) steht vor der Überprüfung und die Digitalisierung nimmt Fahrt auf. Dies war im Frühjahr 2017 Anlass für Deloitte, E+S Rück und das Kompetenzzentrum Versicherungswissenschaften gemeinsam die Lebensversicherungsstudie „Versicherung der Zukunft – Zukunft der Versicherung“ durchzuführen. Verantwortliche des Top-Managements von 30 Lebensversicherungsunternehmen, die gemessen an der Deckungsrückstellung 78 Prozent des deutschen Lebensversicherungsmarktes repräsentieren, wurden befragt.
Eine Vielzahl der Studienteilnehmer betont, dass die umzusetzenden Solvency II-Anforderungen nicht isoliert, sondern vor allem im unmittelbaren Zusammenhang mit der andauernden Niedrigzinsphase bewertet werden müssen. Für knapp zwei Drittel der Unternehmen hat die Umsetzung der Anforderungen von Solvency II die größten Auswirkungen auf die Kostenstruktur und den Ressourceneinsatz; ferner ergeben sich neue oder geänderte Prozesse. Mindestens die Hälfte der Unternehmen konstatieren wesentliche Auswirkungen auf die Kapitalanlagestrategie und die Produktgestaltung sowie deren relevantes Zusammenspiel unter dem Aspekt der „Solvenzkapitalschonung“. Maßgeblicher Einfluss auf die Steuerung der Kapitalanlage geht von der ersten, der quantitativen Säule von Solvency II aus. Bei Unternehmen, die eine Änderung ihrer Kapitalanlagestrategie vornehmen, sollen insbesondere die Bereiche Immobilien sowie Infrastruktur- und Energieinvestments ausgebaut werden. Im Rentenportfolio werden qualitative Änderungen zur Durations- und Bonitätsoptimierung angestrebt. Zudem gibt knapp die Hälfte der Befragten an, verstärkt in Private Equity investieren zu wollen. Unternehmen, die einen expliziten Einfluss von Solvency II auf ihre Kapitalanlagestrategie verneinen, wollen mehrheitlich ebenfalls ihre Immobilieninvestments ausbauen.
Insgesamt wurde deutlich, dass die Niedrigzinsphase einen mindestens gleichwertigen Einfluss auf die Kapitalanlage der Unternehmen ausübt wie die aktuelle Regulatorik.
Über drei Viertel der Neugeschäft betreibenden Studienteilnehmer bejahen den Einfluss von Solvency II auf die Produktgestaltung von Lebensversicherungen; wie schon bei der Kapitalanlage sehen einige Unternehmen die Niedrigzinsphase als größeren Einflussfaktor auf das aktuelle (Neugeschäfts-)Produktportfolio an.

ZZR wird nicht in Frage gestellt

Immerhin ein knappes Viertel sieht dementsprechend…