Erschienen in Ausgabe 11-2017Unternehmen & Management

Weniger ist manchmal mehr

Als Alternative zur Klassik versprechen Hybridprodukte bessere Renditen. Bevor es jeodch dazu kommt, muss ein kompliziertes Rezept umgesetzt werden.

Von Simon RadstaakVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Durch Niedrigzinsen gerät die klassische Lebensversicherung mit ihren lang laufenden Garantiezinsversprechen immer mehr in Bedrängnis. Gleichzeitig trat mit Solvency II zum 1. Januar 2016 ein risikobasierter Ansatz in Kraft, der hohe Eigenmittel, sowohl für das Eingehen von Kapitalanlagerisiken, als auch für die Gewährung langfristiger Finanzgarantien fordert. Als Antwort auf diese externen Einflüsse setzen viele Versicherer im Neugeschäft auf Hybridprodukte. Diese haben durch eine teilweise Rückübertragung der Kapitalanlagerisiken an den Versicherungsnehmer das Ziel, die Eigenmittelanforderungen zu senken und gleichzeitig eine attraktive Rendite im Niedrigzinsumfeld zu gewährleisten. Hybridprodukte zeichnen sich dadurch aus, dass die Anlage des Sparanteils1 in verschiedenen Kapitalanlagearten, sog. Töpfen, erfolgt und zum Ablauf des Vertrags eine Mindestleistung garantiert wird, die in einem bestimmten Verhältnis zu den gezahlten Beiträgen steht.2 Eine jährliche Gesamtgarantieleistung bieten Hybridprodukte im Allgemeinen allerdings nicht. Stattdessen wird dem Versicherungsnehmer die Möglichkeit eröffnet, wie bei der fondsgebundenen Lebensversicherung, stärker direkt an der Wertentwicklung der Kapitalmärkte zu partizipieren.

Viele Anlagetöpfe für mehr Sicherheit

Die Sicherstellung der endfälligen Garantieleistung erfolgt implizit durch die Kapitalanlage in den verschiedenen Kapitalanlagetöpfen und wird nicht isoliert davon vorgenommen. Dadurch lassen sich Hybridprodukte von anderen neuartigen Garantiekonzepten wie Variable Annuities, welche vorrangig in angelsächsischen Ländern verbreitet sind und bei denen die Garantieerzeugung separat erfolgt, abgrenzen.
Für die Kapitalanlage bei Hybriden werden entweder zwei Töpfe (das konventionelle Sicherungsvermögen sowie ein Garantiefonds mit Mindestwert) oder drei Töpfe (zusätzlich durch den Versicherungsnehmer frei wählbare Fonds) genutzt.3 Sichergestellt wird die Garantieleistung nun durch eine dynamische Wertsicherungsstrategie, welche nach einem fest definierten Regelwerk sowohl die laufenden Beiträge als auch das bereits angesparte Kapital während der gesamten Vertragslaufzeit in Abhängigkeit der Kapitalmarktentwicklungen zwischen den einzelnen Anlagetöpfen umschichtet. Dabei ist das Ziel, die Garantie darstellen zu können, ohne dauerhaft einen beträchtlichen Anteil der Beiträge im Sicherungsvermögen (Topf 1) anlegen zu müssen. Das Sicherungsvermögen wird nur dann dotiert, wenn unter Beachtung des maximal…