Erschienen in Ausgabe 11-2017Schlaglicht

Wenn bloße Kapazität nicht ausreicht

Rückversicherer laden neue Energie

Von Frank ReicheltVersicherungswirtschaft

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Seit geraumer Zeit wird mehr als jemals zuvor die Zukunftsfähigkeit des Geschäftsmodells der Rückversicherer kritisch hinterfragt. Die Gründe sind vielfältiger Natur. In den letzten Jahren sind signifikante Mengen an neuem Kapital in die Rückversicherungsmärkte geflossen. Getrieben durch historische Tiefststände des weltweiten Zinsniveaus sind Investoren, Hedgefonds und selbst große Pensionskassen auf der schon fast verzweifelten Suche nach Anlagemöglichkeiten in diesem Marktsegment fündig geworden.
Obwohl die Eigenkapitalrenditen (ROE) der meisten Rückversicherer in den letzten Jahren nicht besser gewesen sind als zu Beginn des Jahrtausends, gelten Investitionen in die Rückversicherungsbranche im Gegensatz zu früher als interessante und diversifizierende Anlagemöglichkeit. Aber auch die Versicherungswirtschaft leidet unter dem Niedrigzins-Umfeld. Die Erträge aus den eigenen Kapitalanlagen sind in den letzten Jahren stetig gesunken, Wiederanlagen sind nur noch zu deutlich schlechteren Renditen möglich. Bankguthaben werden durch negative Zinsen belastet. Leidtragende sind vor allem Lebensversicherer, aber auch Schaden- und Unfallversicherer und auch Rückversicherer sind betroffen.

Traditionsplayer unter Druck

Das zusätzlich in die Rückversicherung geflossene Kapital hatte einen intensiven Wettbewerb der traditionellen Rückversicherer zur Folge. Dieser wurde noch verschärft durch neue, innovative Kapitalmarktprodukte, wie ILS (Insurance Linked Securities), Cat Bonds, besicherte (collateralised) Rückversicherung, als Substitut für die klassischen Rückversicherungskonzepte. Die deutliche Angebotserweiterung an Rückversicherungskapazität trifft seit Jahren auf eine schrumpfende Nachfrage. Die erheblich verbesserte Kapitalausstattung vieler Versicherungsunternehmen ermöglicht es den Rückversicherungseinkäufern höhere Selbstbehalte zu tragen, also das eigene Kapital stärker zu exponieren, und somit weniger Rückversicherung einzukaufen. Sinkende Nachfrage trifft auf steigendes Angebot – Volkswirtschaftsstudenten im ersten Semester wissen, dass dies sinkende Preise zur Folge hat. Auswertungen zeigen, dass das Preisniveau in der weltweiten Naturgefahrenrückversicherung in den letzten fünf Jahren um 50 Prozent gesunken ist. Der heftige und intensive Wettbewerb im Rückversicherungsmarkt hat daher zu signifikanten Preiserosionen geführt. Einen „normalen“ Schadenverlauf unterstellt, bewegen sich die ROEs der Rückversicherer mittlerweile im niedrigen einstelligen Bereich…