Erschienen in Ausgabe 11-2017Trends & Innovationen

„Abrupte Zinsänderung bringt Turbulenzen“

Der deutsch-amerikanische IWF-Finanzmarktchef Tobias Adrian über Geldpolitik und deutsche Lebensversicherer

Versicherungswirtschaft

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„Abrupte Zinsänderung bringt Turbulenzen“

Der deutsch-amerikanische IWF-Finanzmarktchef Tobias Adrian über Geldpolitik und deutsche Lebensversicherer

Seit neun Monaten sind Sie IWF-Finanzmarktchef. Mit welchem Gefühl blicken Sie auf diese erste Zeit zurück?

Es war eine äußerst erfolgreiche Zeit. Ich arbeite mit einem phantastischen Team; die Kollegen sind hervorragend und die Vielfalt an kulturellen und beruflichen Hintergründen und Erfahrungen schafft ein einzigartiges Umfeld. Ich empfinde es auch als großes Glück, dass ich in einer besonders schwierigen Zeit die Leitung der Abteilung Geld- und Kapitalmärkte übernehmen durfte. Um die Stabilisierung des Finanzsystems zu gewährleisten, muss aber auch die Politik einiges tun: Schwellenmärkte müssen die günstigen Finanzkonditionen nutzen und Ungleichgewichte angehen, die Fremdfinanzierung auf dem Privatsektor abbauen, wo sie hoch ist, und Risikopositionen in der Auslandsverschuldung steuern; das globale regulatorische Reformregelwerk, das in der Folge der Finanzkrise erarbeitet wurde, muss fertiggestellt und voll implementiert werden. Das sind einige Aspekte, mit denen ich mich seit Beginn meiner Tätigkeit befasse.

Die Fed hat sich bereits bewegt und auch aus EZB-Kreisen hört man von Plänen, aus der lockeren Geldpolitik auszusteigen. Ist das die Zinswende, auf die alle warten?

Grundsätzlich erwarten Zentralbanken und Finanzmärkte für die Weltwirtschaft, dass die Geldpolitik weiterhin locker bleibt, da die Inflationsraten wohl nur langsam ansteigen werden. Wir beim IWF sind ebenfalls der Meinung, dass die Geldpolitik zur Unterstützung beitragen und der Normalisierungsprozess schrittweise erfolgen sollte. Natürlich muss die Politik beim Ausstieg der Zentralbanken aus unkonventioneller Geldpolitik Vorsicht walten lassen: Eine zu schnelle Normalisierung würde die notwendige Unterstützung für eine andauernde wirtschaftliche Erholung entziehen; abrupte oder zeitlich unpassende Veränderungen der Geldpolitik könnten ungewollte Turbulenzen auf den Finanzmärkten auslösen.
Andererseits kann anhaltende lockere Geldpolitik zu einem weiteren Anstieg von finanziellen Exzessen führen, wie zum Beispiel einer Intensivierung der Jagd nach Rendite, eine weitere Verschuldung des nicht-finanziellen Sektors, und eine größere Auslandsverschuldung von aufstrebenden Märkten und Niedrigeinkommensländern.

Welches Risiko bringen Autonomiebewegungen wie aktuell in Katalonien für das internationale Finanzsystem?

Die Lage in Katalonien ist sehr…