Erschienen in Ausgabe 11-2017Köpfe & Positionen

Im Profil Jan-Oliver Thofern

„Heute betrachten Versicherer die Rückversicherung als Produktionsfaktor“

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Er ist gebürtiger Stuttgarter, aber seit vielen Jahren in Hamburg zu Hause, Jan-Oliver Thofern, seines Zeichens Chief Executive Officer von Aon Benfield Deutschland. Auf den ersten Blick erscheint die Unternehmensstruktur eines der weltweit führenden Industrieversicherungsmaklers ein wenig unübersichtlich. Doch Thofern versteht es, für Durchblick zu sorgen. „Aon besteht aus den drei Kernbereichen Consulting (Aon Hewitt), Erstversicherung (Aon Risk Solutions) und Rückversicherung (Aon Benfield).“
Jeder Bereich wird operativ selbstständig geführt und berichtet an den internationalen Konzern mit Sitz in London. Den Business-Bereich Rückversicherung führt der Top-Manager seit nunmehr neun Jahren eigenverantwortlich. Gleichzeitig ist er Vorsitzender der Konzernobergesellschaft der deutschen Aon Gruppe. Aon erzielte im Jahr 2016 weltweit einen Umsatz von rund 13 Mrd. US-Dollar und hat ca. 50.000 Mitarbeiter, davon 1.700 in Deutschland. Thofern ist von der wichtigen volkswirtschaftlichen Aufgabe der Rückversicherung überzeugt. „Gäbe es diesen Versicherungszweig nicht, könnten bestimmte Großrisiken gar nicht mehr versichert werden, weil einzelne Risiken für einen Versicherer allein zu groß wären.“

Geschäft von Regulatorik geprägt

Die Konsequenz daraus wäre, dass sich die wirtschaftliche Entwicklung enorm verlangsamen würde. Eine große Aufgabe der Zukunft bestehe darin, dem privaten Versicherungsmarkt mehr Risiken als bisher zu übertragen, denn in vielen Fällen sei der Staat kein guter Versicherer. Das wird zum Teil auch in der Betrachtung der Hurrikan-Schäden in den USA deutlich, gibt er zu verstehen. Das Rückversicherungsgeschäft wird zwangsläufig stark durch die Regulatorik geprägt, die immer mehr zunimmt, weiß Thofern. „Wir haben uns über Jahre hinweg auf Solvency II vorbereitet, weil das den Regulierungsrahmen für die europäischen und andere äquivalente Länder vorgibt.“ Das wirke sich stark auf die Handlungsfähigkeit der Versicherer aus. Aon sei zwar kein Risikoträger, aber als Vermittler mittelbar berührt. „Über Jahre hinweg haben sich unsere Kunden auf dieses neue Regime vorbereitet. Auf der Grundlage von Solvency II sind in den Gesellschaften frühzeitig Entscheidungen getroffen worden, die Aon durch zusätzliche Aufgaben wie Risiko-Berechnungen und Benchmark-Abgleiche untermauert hat“, erklärt er auf seine sachliche Art.
Vor allem habe man gesehen, dass sich die Versicherer aufgrund der Vorbereitungen auf die neue Regulatorik sehr viel intensiver mit ihrem…