Erschienen in Ausgabe 11-2017Märkte & Vertrieb

Wettbewerb um Wissen und neue Reichweiten

Chinesische Versicherer planen massive Investments in die digitale Zukunft

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Chinesische Versicherer investieren derzeit massiv in Digitalisierung. Manche wagen sogar die Prognose, dass man in Zukunft nicht einmal mehr eine Qualifikation für die Wettbewerbsteilnahme erhalten könne, wenn man nicht bereits heute forsche und investiere. Einige Versicherer planen, mindestens ein Prozent ihres jährlichen Umsatzes für die Forschung und Umsetzung auszugeben. Der Marktführer Ping An hat im letzten Jahr umgerechnet 893 Mio. Euro für die technische Forschung und Erneuerung investiert. Der Marktprimus verfügt über mehr als 22.000 IT-Mitarbeiter, davon allein über 500 Mann, die sich ausschließlich mit Algorithmen beschäftigen. Der Online-Versicherer Zhong An steckt derzeit viel Geld in die Forschung auf dem Gebiet der Gesichtserkennung, die bald zur Kundenidentifizierung bei Mobilanwendung zum Einsatz kommen soll. Die Sach-Sparte des chinesisch-französischen Joint-Ventures Axa-Tianping hat vor kurzem ein Forschungszentrum gegründet, das sich zunächst auf die Analyse und praktische Umsetzung von Big Data konzentrieren soll.
Nicht nur Versicherer, sondern auch die Insurtechs beteiligen sich am technologischen Wettrennen. Die Ant Group etwa belebt und beflügelt offenbar besonders die großen Player. Ein Top-Manager von China Life meinte hierzu: „Eigentlich haben wir als großer Versicherer ja bereits eine riesige Menge Daten. Wenn wir diese aber nicht nutzen und selbst neue Produkte und Services für den Markt designen, werden die Insurtechs ihrerseits Daten und Datenservices anbieten, mit denen uns die direkten Mitbewerber letztendlich das Geschäft abgraben können.“

Ping An öffnet Technologie-Plattform

Vor ein paar Jahren hat die Ping An angekündigt, von einem kapitalgetriebenen zum technologiegetriebenen Geschäftsmodell zu wechseln. Offenbar hat das Unternehmen hierbei Fortschritte erzielt. Anfang September dieses Jahres hat nun der größte Privatversicherer Chinas seine Technologie-Plattform vorgestellt und verkündet, sie allen in der Branche zur Verfügung zu stellen, beginnend mit zunächst zwei sogenannten Ping-An-3.0-Funktionalitäten. Die erste dient der sogenannten intelligenten Identifizierung, mit der die Identität von Kunden durch Gesichts- und Stimmenerkennung festgestellt werden kann. Mit der zusätzlichen semantischen Stimmenerkennung kann das Anliegen von Kunden klassifiziert werden. Nach eigenen Angaben hat Ping An die intelligente Identifizierung bereits in den Bereichen Kundenservice und Schadensbearbeitung eingesetzt. Dadurch sollen…