Erschienen in Ausgabe 11-2017Märkte & Vertrieb

Marsch der Populisten nach Rom

Versicherer zeigen sich genervt von Dauerwahlkampf und Autonomie-Referenden in Lombardei und Venezien

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

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Während in Deutschland der Dauer-Wahlkampf nun endgültig zu Ende gegangen ist, fiel in Rimini der Startschuss für die Kampagne zur Parlamentswahl in Italien. Diese muss laut Verfassung bis spätestens Februar kommenden Jahres erfolgen, doch auch ein früherer Termin ist vorstellbar. Statt dem gewohnten Wettbewerb zwischen Links und Rechts dürfte es laut Demoskopen diesmal auf einen Dreikampf zwischen Partito Democratico, Forza Italia und den antieuropäischen Grillini hinauslaufen. Die Populisten um Beppe Grillo stimmten im Internet über ihren Kandidaten für das Amt des Premiers ab; aus dieser Art internen Vorwahl ging erwartungsgemäß der 30-jährige Wunderknabe Luigi di Maio, derzeit einer der Vizepräsidenten des römischen Abgeordnetenhauses, als Sieger hervor. So wollte es nämlich Parteiführer Grillo – und sein Wille ist in der Bewegung, deren Spitzengremien durch keinerlei Wahl legitimiert sind, Befehl. Der vom Scheitel bis zur Sohle stets geschniegelte Neapolitaner di Maio gehört phänotypisch in jene Riege von mediengewandten jungen Politstars wie Emmanuel Macron, Sebastian Kurz oder Christian Lindner, die momentan europaweit im Trend liegen. Genau das ist das Kalkül Grillos: mit seinem Kandidaten vom Typus „idealer Schwiegersohn“ will der Erzpopulist den Wählern der breiten Mitte die Angst nehmen, für seine Bewegung zu stimmen.

Alternativlos ins wirtschaftliche Aus

Die Finanzwelt ist alarmiert: Das Ringen um die Bankenrettung, Staatsschulden auf Rekordhöhe sowie monatliche Naturkatastrophen lähmen das Land bereits schon genug. Ein Sieg der Populisten könnte Italiens Wirtschaft den Rest geben. Diese hält sich dank der Niedrigzinsen noch künstlich am Leben, doch die EZB will im nächsten Jahr ihr billionenschweres Anleihekaufprogramm herunterfahren.
Wie der drohende Einzug di Maios und seiner Truppe in den Regierungssitz Palazzo Chigi zu verhindern ist, daran basteln fieberhaft die anderen Parteien. Mit einem neuen Wahlrecht, das dieser Tage verabschiedet wurde, ist zumindest eine absolute Mehrheit der Mandate für die Grillini außer Reichweite. Im Lager der Demokraten gerät Parteichef Matteo Renzi immer stärker in die Defensive. Seine Umfragewerte sind im Keller, vielen Wählern gilt er schlicht als unsympathisch. Erstaunlicher Beliebtheit erfreut sich stattdessen der amtierende Regierungschef Paolo Gentiloni, dessen besonnene und väterliche Art bei den Bürgern weit besser ankommt als das hektische Temperament des omnipräsenten Renzi. Mit Gentiloni als…