Erschienen in Ausgabe 11-2017Märkte & Vertrieb

Desperados spielen mit dem Feuer

Die Separatistenbewegung in Katalonien sorgt für einen massiven Exodus der Versicherer aus Barcelona

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Diese Entscheidung haben wir getroffen, um angesichts der aktuellen Entwicklung in Katalonien die rechtlichen Rahmenbedingungen zu garantieren und die Interessen unserer Kunden, Vermittler, Aktionäre und Mitarbeiter zu schützen“, sagt die AxaEspaña. Gemeint ist der Beschluss des Verwaltungsrats der Axa España, den Gesellschaftssitz ihrer Versicherer Axa Vida und Axa Pensiones von Barcelona in das nordspanische Bilbao zu verlegen. Die französische Axa ist nur eines der letzten Beispiele für den Aderlass der katalanischen Wirtschaft nach dem illegalen Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien vom 1. Oktober 2017. Trotz eines Verbots durch das Verfassungsgericht hatte Katalonien an diesem Tag ein „verbindliches Referendum“ über seine Unabhängigkeit vom spanischen Staat abgehalten. Etwa 90 Prozent haben für eine Abspaltung gestimmt. Die Wahlbeteiligung erreichte jedoch lediglich 40 Prozent, was in etwa dem Anteil der Sympathisanten für eine Unabhängigkeit in der sozial tief gespaltenen Region entspricht. Am 10. Oktober hat der katalanische Regierungschef Carles Puigdemont im Regionalparlament daraufhin in einer mehrdeutig gehaltenen Rede den Anschein erweckt, die Unabhängigkeit Kataloniens ausgerufen zu haben. In einem Nachsatz erklärte er die hypothetische Unabhängigkeitserklärung jedoch unmittelbar als außer Kraft gesetzt. Madrid hat derweil die Machtübernahme in Katalonien eingeleitet. Regierungschef Mariano Rajoy kündigte die Absetzung der separatistischen Regionalregierung in Barcelona sowie die Ausrufung von Neuwahlen zum Regionalparlament innerhalb von sechs Monaten an.

Ohne Europas Binnenmarkt kann kein Versicherer Geschäfte machen

Die unübersichtliche politische Situation hat in Katalonien umgehend zu scharfen wirtschaftlichen Reaktionen geführt. In den ersten drei Tagen nach dem Referendum haben über 500 Unternehmen Katalonien schlagartig verlassen. Darunter befinden sich nicht nur namhafte Großkonzerne aus Industrie, Infrastruktur oder Energieversorgung, sondern auch Banken, Versicherer und Investmentgesellschaften. Mit der CaixaBank und der Banco Sabadell haben gleich zwei der fünf größten spanischen Bankengruppen ihren Gesellschaftssitz von Katalonien in andere Regionen verlagert. Auch viele Versicherer haben schnell reagiert, denn Barcelona ist ein wichtiger Versicherungsstandort. Dazu zählt der katalanische Traditionsversicherer Catalana Occidente, der nach einer 150-jährigen Unternehmensgeschichte binnen Tagen von Barcelona nach Madrid gewechselt…