Erschienen in Ausgabe 11-2017Trends & Innovationen

Schaden-Prisma Oktober 2017

Sturmtief „Xavier“ legt in der Nordhälfte Deutschlands Bäume flach und den Verkehr lahm

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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Herbststürme, noch dazu solch heftige, sind sehr selten. „Xavier“, der Anfang Oktober die nördliche Hälfte Deutschlands von Berlin bis Wilhelmshafen fest im Griff hatte, bricht gleich in mehrerer Hinsicht alle Rekorde: „Herbststürme, die sich noch vor Mitte Oktober ereignen, sind in den letzten 50 Jahren nur wenige Male aufgetreten“, sagt Onnen Siems. Der Sturm werde sicherlich als denkwürdiges Wetterereignis in die Geschichte eingehen wird, schätzt der Deutsche Wetterdienst. Schließlich hat er mit über 100 km/h Böengeschwindigkeit eine enorme Wirkkraft entfaltet.
Zwar bewegte sich das Sturmtief auf einem relativ schmalen Streifen von 100 Kilometern, doch führte Xaviers Weg auch durch die Millionenmetropole Berlin. Am Wannsee erreichte der Sturm seine volle Kraft, hier wurden 136 km/h Windgeschwindigkeit gemessen. Über drei Tage befand sich die Berliner Feuerwehr im Ausnahmezustand, schließlich hatte sie einer Pressemitteilung zufolge 3.000 Einsätze allein wegen des Wetters abzuarbeiten. Zur besten Pendlerzeit suchte der Sturm die Hauptstadt heim und beschädigte bundesweit rund 1.000 Gleiskilometer, auf 40 Kilometern zwischen Hamburg und Berlin sogar „massiv“, wie die Deutsche Bahn mitteilt.

Verkehr in Nah und Fern kollabiert

Neben Bäumen kippte „Xavier“ auch Oberleitungsmasten und Signale aus ihrem Fundament. Zwischen dem nordfriesischen Leer und Oldenburg blieb der Zugverkehr ganze fünf Tage gesperrt, zwischen Osnabrück und Hamburg immerhin drei Tage, berichtet die Deutsche Bahn. Die Aufräumerarbeiten erschwert hätte die Tatsache, dass sogar die Zufahrtswege zu den Gleisanlagen durch Bäume blockiert gewesen seien. Dass „Xavier“ das Gehölz so erfolgreich umriss, habe am frühen Zeitpunkt des Herbststurms gelegen, analysieren MSK. Schließlich standen die meisten Bäume Anfang Oktober noch in voller Laubpracht und boten den Winden so eine deutlich größere Angriffsfläche als Stürme im fortgeschrittenen Herbst. Dieser Effekt zeigt sich auch in den Berliner Wäldern: Eine erste Schätzung des Berliner Senats belief sich auf rund 20.000 umgestürzten Bäume, ein Sprecher kündigte jedoch bereits an, diese sei zu niedrig angesetzt.
Rund 150 bis 200 Mio. Euro an Schäden werden durch Sturm „Xavier“ auf die deutschen Versicherer zukommen, schätzt MSK. Die Deutsche Bahn selbst wollte noch keine Auskunft geben, die Schadenserfassung dauere an. Neun Menschen starben, sieben davon in Deutschland und zwei in Polen.

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