Erschienen in Ausgabe 11-2017Trends & Innovationen

Eine Frage der Mentalität

Aufsichtsbehörden wünschen sich mehr Eigenverantwortlichkeit der Versicherer

Von Maximilian VolzVersicherungswirtschaft

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Wie eine gute Aufsicht für die Versicherungsbranche aussehen muss, nämlich prinzipien- oder regelgesteuert, wusste auf der Jahreskonferenz der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) niemand so recht. Im Rheinischen Landesmuseum in Bonn wurden vor 250 Gästen kontrovers Meinungen zu Brexit, Solvency II, Betriebsrentenstärkungsgesetz (BRSG) und dem europäischen Vorsorgeprodukt „Pepp“ (Pan European Pension Product) ausgetauscht.
Frank Grund, Exekutivdirektor der Bafin, griff in seiner Eröffnungsrede die mangelnde Begeisterung der Versicherer für das Thema BRSG auf. Die Branche sollte sich aus seiner Sicht „damit mehr auseinandersetzen“. Weiter schrieb er den Unternehmen ins Stammbuch, dass die internationalen deutschen Versicherer das Thema Brexit nicht „auf die leichte Schulter“ nehmen sollten. Ohne eine entsprechende Berechtigung drohe den deutschen Versicherern in Großbritannien dasselbe, wie den britischen Versicherern hierzulande: ohne Erlaubnis, keine legale Tätigkeit und massive rechtliche Schwierigkeiten. Er rate den Angesprochenen dringend, nicht bis „drei Monate vor Toresschluss“ mit der Anmeldung einer Niederlassung zu warten.
Ausdrücklich bekannte sich Grund zu den von vielen Versicherern genutzten Übergangsmaßnahmen bei Solvency II. Letztlich sei das „Gesamtpaket“ entscheidend und die gezielte Nutzung der angebotenen Maßnahmen sei „oftmals sinnvoll“. Die EU-Absicht, die Versicherer zu mehr Nachhaltigkeit bei den Kapitalanlagen anzuhalten, stünden hinter den Kapitalanforderungen an. Die Einführung des europaweiten Kapitalanlageprodukts „Pepp“ sieht Grund offenbar eher skeptisch. Im momentanen Planungszustand könne es auch als Sparprodukt Verwendung finden, was der ursprünglichen Konzeption entgegenstünde. Die großen Unterschiede in den europäischen Versicherungsmärkten würden zudem ein einheitliches Produkt erschweren, das auf dem deutschen Markt wohl auch nicht benötigt werde.

Schwarzer-Peter-Spiel

Im Panel „Spannungsfelder in der Praxis“ diskutierten die in der EU-Kommission für den Versicherungsbereich zuständige Nathalie Berger, Eiopa-Chef Gabriel Bernardino, KPMG-Experte Frank Ellenbürger und GDV-Geschäftsführer Axel Wehling über die Umsetzung der Aufsichtsregeln in die Praxis. Es wurde keine einheitliche Sicht erreicht. Wehling und Ellenbürger beklagten eine Überforderung der Versicherer und führten 7.000 Seiten an, die die Aufsichtsbehörden zur Umsetzung in die Unternehmen gaben. Die Aufseher von Eiopa und Bafin konterten mit…