Erschienen in Ausgabe 11-2017Trends & Innovationen

Lebensversicherer lösen Beben aus

Ergo und Generali verkaufen ihre Lebenbestände, die Aufsicht will Käufer streng prüfen

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Aus Sicht der Unternehmen ist der Verkauf sinnvoll – für das Image der Branche katastrophal. 85 Millionen Lebensversicherungen hat die deutsche Versicherungswirtschaft verkauft und den Kunden versprochen „lebenslang“ für sie da zu sein. Nun wollen zwei der zehn größten deutschen Lebensversicherer aus Kostengründen zehn Millionen Verträge in den Run-off schicken – die Ergo sechs Millionen Policen, die Generali vier Millionen. Axel Kleinlein, Chef des Bundes der Versicherten, spricht von einem „Erdbeben in der deutschen Versicherungslandschaft“. Auch Politiker sind von den Garanten der privaten Altersvorsorge enttäuscht. Alternativen wie die Deutschlandrente sind wieder im Gespräch. Der GDV beschwichtigt: „Für die Kunden gibt es keinen Grund zur Panik.“ Weitere große Lebensversicherer sahen sich gezwungen, Position zu beziehen: Talanx, R+V, die Nürnberger sowie Allianz Leben und die Stuttgarter Leben haben einen Verkauf von Versicherungsbeständen ausgeschlossen. Die Axa hält sich die Option einer externen Abwicklung noch offen. Niedrigzinsen und die hohen Kapitalanforderungen von Solvency II haben das Geschäftsmodell der Lebensversicherer scheinbar zu Fall gebracht. Bis zum Jahr 2022 werde das Neugeschäft für fast ein Fünftel des Marktes eingestellt, rechnet die Ratingagentur Fitch vor. Aktuell sei bereits ein Volumen von 90 Mrd. Euro in Abwicklung, rund neun Prozent des Bestandes. Kleinere Anbieter wie Arag und die Basler Leben haben ihre Bestände bereits an die Frankfurter Leben verkauft, die vom chinesischen Investor Fosun und der BHF-Bank gegründet worden ist. Der Run-off-Konkurrent Viridium, der dem Finanzinvestor Cinven und Hannover Rück gehört, verwaltet die Verträge der Mannheimer, der Heidelberger und der Skandia Deutschland. Die Bafin will die Käufer dieser Portfolien genau unter die Lupe nehmen. „Je größer die betreffenden Bestände sind, desto größer sind auch die operationellen Anforderungen an einen Übernehmer“, betonte Bafin Exekutivdirektor Frank Grund. Das zum Verkauf stehende Ergo-Portfolio soll eine Mrd. Euro wert sein, US-Hedgefonds und Investoren aus China zeigen angeblich Interesse. Generali erhofft sich Einnahmen von 900 Mio. Euro.dg