Erschienen in Ausgabe 10-2017Unternehmen & Management

Versicherungsfuzzi bringt ein Imperium zu Fall

Von David GorrVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Aufstieg, Gier, Verrat sowie Fall und Rückbesinnung. Diese Lebensphasen treffen wohl auf alle Protagonisten dieses Buchs zu – Carsten Maschmeyer, Reinfried Pohl und Stefan Schabirosky. Jeder gegen jeden, so geht es nun mal im Strukturvertrieb zu. Der Autor schildert, wie er seinen Job beim AWD wegen einer unglücklichen Büroliebe verlor und daraufhin sich an den konkurrierenden Finanzvertrieb DVAG wandte und anbot, Maschmeyer und den AWD durch eine Rufmordkampagne mit größtenteils erfundenen Vorwürfen zu schädigen. Dieses „Unternehmen Donnerwetter“ hörte sich ein „bisschen großspurig an“, gibt Schabirosky zu. Dass es Erfolg haben wird, hat er anfangs auch nicht geglaubt. „Damals ahnte ich noch nicht, wie einfach es wurde, Carsten Maschmeyer zum Sündenbock zu machen. Dabei trug er an der Schieflage einiger geschlossener Fonds keine Schuld.“ An Lobeshymnen für seinen Feind mangelt es nicht. Deswegen ist es kaum vorstellbar, dass das Buch ohne Einfluss von Maschmeyer entstand.
Es ist kein Krimi, obwohl Schabirosky sagt, dass es sich so anfühlte, weil er sich mit seinem Auftraggeber regelmäßig „in der Anonymität eines Airport-Restaurants“ traf. Berichte über sein Privatleben mit „seinen Buddys“ wirken extrem konstruiert, langatmig wird es, wenn Schabirosky das tausendste Treffen mit Journalisten, Anwälten und der DVAG schildert. Zumindest ist es glaubhaft dargestellt, weil Schabirosky eigentlich nicht genau wusste, wie er den AWD konkret in Bredouille bringen sollte und auch seine Versuche, kompromittierendes Material der Presse zu stecken, nicht hürdenlos abliefen. Meist haben ihn die Journalisten selbst darauf gebracht, was er „liefern“ müsste, damit was über die AWD gedruckt würde. Das konnte er nicht immer, bekam zufällig selbst Hilfe durch gestohlene Dateien eines Informanten. Und als Schabirosky mit seinem Latein am Ende war und auch die Staatsanwaltschaft kein Ermittlungsverfahren einleitete, kam der Glücksfall: Die Swiss Life stieg bei der AWD zum Hauptaktionär auf. An dieser Stelle hat man die Hälfte des Buches durch. Zum Weiterlesen muss man sich aufrappeln. Denn es folgt die Erzählung wie Schabirosky sich um seine Millionenabfindung mit der DVAG streitet, sein Geld an der Börse verzockt und weiterhin negative AWD-Berichte in der Presse lancieren lässt, um sich finanziell über Wasser zu halten. Ein spannendes Finale sucht man vergeblich.dg
Stefan, Schabirosky : Mein Auftrag: Rufmord; 272 S.; ISBN: 978-3776628104; Verlag: Herbig, München.