Erschienen in Ausgabe 10-2017Unternehmen & Management

„Komplexität und Agilität vereinen“

Michał Trochimczuk, Managing Partner von Sollers Consulting, über die Notwendigkeit flexibler Facharchitekturen

Versicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Sind die Facharchitekturen der Versicherer auf die Digitalisierung vorbereitet?

Michał Trochimczuk: Viele Versicherer haben in den letzten Jahren angefangen, ihre Facharchitekturen zu erneuern. Typischerweise handelt es sich dabei um historisch gewachsene Strukturen, die einen hohen Komplexitätsgrad aufweisen. Vielfach haben Fusionen diese Komplexität noch erhöht. Durch die Digitalisierung eröffnen sich nun eine Vielzahl an neuen Möglichkeiten. Doch bestehende Architekturen bilden häufig nur die vorhandenen Strukturen ab und sind nicht auf die Gestaltung eines neuen Soll-Zustandes vorbereitet. Wenn es um die Transformation geht, wird die Architektur zu spät oder manchmal auch gar nicht einbezogen. Generell befinden sich viele Unternehmen in einem Wandel von Anbietern von Produkten hin zu Anbietern von Dienstleitungen. Sie werden dadurch zu Koordinatoren von Netzwerken. Das betrifft auch die Versicherer. Die Insurtechs befördern diesen Trend noch. Die Architektur muss Unternehmen jetzt in die Lage versetzen, diese neue Vielfalt zu regeln und funktional zu gestalten.

Wie viel Komplexität ist in einer Unternehmensarchitektur denn nötig?

Generell wünscht sich jeder so wenig Komplexität wie möglich. Ziel ist es, die Zahl der komplexitätstreibenden Elemente und Schnittstellen möglichst niedrig zu halten. Mit der Anzahl der Systeme und Schnittstellen werden Änderungen im Gesamtsystem immer aufwändiger und damit teurer. Der Pflegeaufwand steigt auch auf der fachlichen Seite. Viele Versicherer reduzieren deshalb die Zahl der Anwendungen, beispielsweise beim Zahlungssystem. Doch die Begrenzung der Komplexität ist in der Praxis oft schwer durchzuhalten. Versicherer haben oft sehr komplexe Geschäftsmodelle. Die Anforderungen der einzelnen Geschäftsbereiche sind sehr heterogen. Nicht alle operativen Einheiten müssen unbedingt einer übergreifenden Sicht untergeordnet werden. Unabdingbar ist das für den Vertrieb und den Kundenservice. Das gilt auch für die Anbindung an Kundenportale und die Partner. Für all diese Anwendungen ist die Integrierbarkeit zwingend. Versicherer suchen deshalb hybride Lösungswege. Letztendlich geht es in einer Anwendungslandschaft darum, Komplexität und Agilität miteinander zu vereinbaren.

Ist es möglich, Agilität und Komplexität miteinander zu vereinen?

In der klassischen Anwendungslandschaft kommt es vor allem darauf an, die Funktionalitäten sicherzustellen. Doch mit dem bereits angesprochenen Wandel der Unternehmen hin…