Erschienen in Ausgabe 10-2017Unternehmen & Management

Mathe zahlt sich aus

Das Fundament des Versicherungswesens bilden Aktuare, die gefragter sind denn je

Von Guido BaderVersicherungswirtschaft

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Innerhalb der Versicherungsunternehmen genießen sie aufgrund ihrer einzigartigen Expertise hohes Ansehen, außerhalb des Finanzwesens führen sie bis heute oft noch ein Schattendasein: die Aktuare. Dabei würde kein Versicherer ohne Mathematiker funktionieren. Denn erst durch ihre Berechnungen sind die Assekuranzen überhaupt in der Lage, Risiken wie Diebstähle, Erdbeben oder Krankheitskosten zu einer adäquaten Prämie abzusichern oder teilweise jahrzehntelang laufende Rentenversicherungen zu kalkulieren. Deshalb obliegt den Aktuaren eine hohe gesellschaftspolitische Verantwortung, denn ihre Arbeit betrifft regelmäßig eine Vielzahl von Versicherungsnehmern.
Um dieser Verantwortung gerecht zu werden, durchlaufen Deutschlands Aktuare nach ihrem meist mathematischen Studium eine berufsbegleitende Ausbildung bei der Deutschen Aktuarvereinigung e. V. (DAV). Die Ausbildung zur „Aktuarin DAV“ / zum „Aktuar DAV“ gliedert sich in zwei Stufen: Das Grundwissen vermittelt das Handwerkszeug, das angehende Aktuare für ihre spätere Berufspraxis benötigen. In der zweiten Stufe, im Spezialwissen, fokussieren sich die Prüflinge auf eine Fachrichtung wie Lebensversicherung, Bauspar- oder Finanzmathematik. Im Zuge einer großen Ausbildungsreform wird dabei ab 2018 ein noch stärkerer Fokus als bisher auf den Themen Risikomanagement und Big Data liegen.

Attraktives Gehalt gepaart mit anspruchsvollen Aufgaben

Damit reagiert die DAV zum einen auf den rasant steigenden Bedarf an Mitarbeitern in der Versicherungswirtschaft, die die quantitativen und methodischen Grundlagen der digitalisierten Welt exzellent beherrschen. Zum anderen hat das Feld des Risikomanagements in den vergangenen Jahren aufgrund zusätzlicher Aufsichtsvorgaben immer stärker an Bedeutung gewonnen. Initiativen wie das neue europäische Aufsichtsregime Solvency II oder der kürzlich verabschiedete weltweite Rechnungslegungsstandard IFRS 17 verändern nicht nur inhaltlich die Arbeit der Aktuare hierzulande. Sie sind auch eine Herausforderung für den Berufsstand, da mit ihnen vielfältige zusätzliche Aufgaben auf die Versicherer zukommen, wofür hoch qualifizierte Aktuare mehr denn je gebraucht werden. Während die DAV als berufsständische Vertretung 2012 noch rund 3.800 Mitglieder zählte, sind es inzwischen knapp 5.000. Zudem stehen derzeit rund 1.600 meist jüngere Finanz- und Versicherungsmathematiker im geregelten Ausbildungsgang zum Aktuar. Und der Beruf des Aktuars eröffnet den Mathematikern herausragende Karrierechancen…