Erschienen in Ausgabe 10-2017Unternehmen & Management

Spielfeld für Querdenker

Versicherungskarrieren im Kulturwandel

Von Dr. Moritz von Campenhausen und Dominik SchraderVersicherungswirtschaft

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Was spricht dafür, in die Versicherungsindustrie zu gehen? Ist das nicht eher eine verwaltende Tätigkeit – ein Geschäftsmodell, das langweilig, traditionell und risikoavers ist? So oder ähnlich lauten die Fragen, die Hochschulabgänger an die Assekuranz richten. Haben sie recht?
Das ein wenig spröde Image, welches der Versicherungsindustrie anhaftet, ist so alt wie die Branche selbst. Diese bewegt sich seit jeher in einem regulierten, relativ stabilen Umfeld mit bekannten Wettbewerbern und Angebotsstrukturen. Die starke Regulierung sowie traditionell eher abgegrenzte Strukturen haben die Dynamik in der Branche nicht gerade befördert – mit entsprechenden Auswirkungen auf die Attraktivität für Nachwuchsführungskräfte. Laufbahnen verliefen eher in Silos, die von der Versicherungsaufsicht sogar gefordert waren (Spartentrennung), weniger bereichsübergreifend. Dies führte zu recht ähnlichen, zumeist „vorgegebenen“ Karrierewegen: Beginn in einer Sparte oder einer Stabsfunktion, danach gerne eine Station im Vertrieb, bevor man mit Übernahme der ersten Führungsverantwortung die Weichen stellte: Sparte, Vertrieb oder Finanzen.

Grundregeln werden in Frage gestellt

In der Finanzkrise haben sich die Stabilität der Versicherungsbranche und die hohe fachliche Kompetenz der Verantwortlichen klar ausgezahlt. Aber die Welt wandelt sich radikal, auch für die Assekuranz. Was viele Industrien, am deutlichsten vielleicht die Banken in der Finanzkrise, durchgemacht haben, spielt sich jetzt auch in der Versicherungsbranche ab: die weitreichende Infragestellung von Grundregeln des bisherigen Geschäftsmodells. Was sind die Treiber dieser Entwicklung? Durch die Digitalisierung etwa sind die Kunden immer besser informiert und verfügen jederzeit und an jedem Ort über weitgehende Vergleichs- und Wechselmöglichkeiten. Beispiel Kfz-Versicherung: Dort werden Tarife nicht mehr im Schwerpunkt zum Jahreswechsel, sondern laufend in Portalen verglichen. Das Pricing unterliegt Faktoren, die bisher nicht berücksichtigt wurden („Behavioural Pricing“). Der daraus resultierende Druck auf die Preise ist immens. Parallel dazu greifen Insurtechs die klassischen Versicherer dort an, wo sie verletzbar sind. Sie schaffen Transparenz, wo bis dato der Vermittler die Informationshoheit hatte, und bieten einen Kundenservice, den traditionelle Player mit ihren tief gestaffelten Strukturen und teilweise veralteten IT-Systemen nicht darstellen können. Einfachere, transparente und z. T. zeitlich begrenzbare…