Erschienen in Ausgabe 10-2017Märkte & Vertrieb

Im Reich der digitalen Mitte

Während Chinas Direktversicherer Innovationen schaffen, sind etablierte Anbieter auf Optimierung aus

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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Die chinesische Gesellschaft erlebt derzeit eine beispiellose zweite Welle der Digitalisierung. Die erste Welle begann vor 20 Jahren mit der Einführung von Jiaotong Ka, einer Verkehrskarte, mit der man nicht nur Bus und Taxi bezahlen, sondern auch gleich die Gebühren für den Wasser-, Gas- und Stromverbrauch am Automaten begleichen konnte. Gegenwärtig setzt sich das Bezahlen per Smartphone durch. Der Kauf von Gemüse auf dem Markt, Haarschneiden oder die Beschäftigung einer Haushaltshilfe – alles möglich mit dem Telefon. Eine aktuelle McKinsey-Studie konstatiert, dass China inzwischen eine führende Rolle im weltweiten E-Commerce übernommen hat. Vor zehn Jahren machten die Transaktionen im Online-Handel von China nur ein Prozent des Welthandels aus, inzwischen bereits 40 Prozent, wie McKinsey belegt. Zur Veranschaulichung: Der Gesamtwert der Digitalzahlungen in China entspricht mit 790 Mrd. US-Dollar im Jahr 2016 dem gesamten Volumen von USA, Deutschland, Japan, Frankreich und UK zusammen.
Erst durch die Zahlungsmöglichkeit per Smartphone hat die chinesische Bevölkerung die Vorzüge der bislang abstrakt propagierten Digitalisierung kennengelernt. Das schafft nicht nur Akzeptanz, sondern baut auch Bedenken und Ängste ab. Die dadurch erreichte niedrige Hemmschwelle für den Eintritt in eine digitalisierte Gesellschaft kommt schließlich auch der Versicherungsbranche zugute.

Digitale Policen gegen schlechtes Wetter und Verkehrsstau

Inzwischen haben die Versicherungsunternehmen in China durchaus eingesehen, dass es nicht funktioniert, wenn sie die bisherigen Offline-Produkte eins zu eins einfach online präsentieren. Man bemüht sich daher um Produkte, deren Vertrieb und Schadensfeststellung online-fähig sind. Einige Unternehmen haben sich nun darauf spezialisiert, die Zielgruppe der rund 100 Millionen Landwirte zu bedienen. Eine sogenannte Wetterindikator-Versicherung von der Pacific Insurance für die Orangen-Produktion zahlt automatisch die Leistung aus, wenn gewisse Indikatoren erreicht sind, z.B. wenn die Temperatur drei Tage ununterbrochen unter vier Grad Celsius geht und die tägliche Niederschlagsmenge über 120 Millimeter hinausgeht, ohne dass die Orangen-Bauer die Schäden anmelden müssen. Die Wetterindikatoren werden ständig auf den Smartphones der Versicherten angezeigt. Das ausgezahlte Geld landet ebenfalls auf ihren Smartphones, genauer gesagt in die Digitalportemonnaie-Apps wie Alipay oder WeChat-Pay.
Die Taikang Life dagegen versucht, eine Police…