Erschienen in Ausgabe 10-2017Märkte & Vertrieb

Wie man Äpfel mit Birnen vergleicht

Die Reserven der Rückversicherer wachsen, doch die Großschäden 2017 werden die Branchen-Hackordnung nachhaltig verändern

Versicherungswirtschaft

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Rechtzeitig zum „Rendez-Vous de Septembre“ in Monte Carlo gab die auf die Assekuranz fokussierte Ratingagentur A.M. Best eine Rangliste der größten Rückversicherer bekannt. Als Basis dienten die in den unterschiedlichsten Währungen publizierten Bilanzen. Diesmal rangiert Swiss Re um einiges vor seinem deutschen Konkurrenten Munich Re. Doch entspricht eigentlich die Addition von proportionaler und nicht-proportionaler Prämie der von Äpfeln und Birnen, d.h. das Brutto- oder Nettoprämienvolumen ist kaum ein geeignetes Kriterium zur Erstellung einer Branchen-Hackordnung. Die 286 Mrd. Dollar von Berkshire Hathaway stellen die 35 Mrd. Dollar von Swiss Re, die 33 Mrd. von Munic Re und die 34 Mrd. von Lloyd’s in den Schatten. A.M. Best versucht auch das wirklich Rückversicherungsgeschäften dienende Eigenkapital zu isolieren und weist insofern 440 Mrd. Dollar aus, wovon immer noch 345 Mrd. Dollar bei traditionellen Risikoträgern liegen. Trotz der eher schlechten Ergebnisse strebten im vergangenen Jahr immer noch Pensionsfonds und sonstige Kapitalsammler auf der Suche nach nicht-korrelierenden Engagements in die Branche. Smarte Rückversicherer könnten demnach lieber dieses externe Kapital als Zeichnungsagent oder Fronter exponieren denn das eigene.

Gewinnziele wackeln

In Sachen Ergebnisse gibt sich A.M. Best eher pessimistisch und verweist darauf, dass das Anfalljahr 2016 ohne Besserabwicklung der Vorjahre und bei möglicherweise schon wieder allzu optimistischer Reservierung auf eine Combined Ratio von 101,0 Prozent kam, ein seit zehn Jahren einmaliger Vorgang. Bei fehlendem kompensierenden Finanzergebnis wurden also technische Verluste gezeichnet, eine adäquate Eigenkapitalbedienung ist so nicht zu bewerkstelligen. Zum Teil weit oberhalb dieses Marktdurchschnitts rangierten Munich Re, Hannover Re und Partner Re, wobei unklar ist, ob deren Geschäft schlechter als der Durchschnitt verlief oder ob sie vorsichtiger als andere reservierten. Nicht nur Besserabwicklungen hätten die eigentlich schlechten Ergebnisse kaschiert, sondern auch das Ausbleiben von Naturkatastrophen und die bislang schadenfrei gebliebene Prämie aus Hypothekendeckungen. Möglicherweise bringt die Kombination der US-Hurrikane „Harvey“ und „Irma“ die Trendwende am Markt. Dafür müssten aber versicherte Schäden von weit mehr als 50 Mrd. Dollar entstehen. Je nachdem, wie dramatisch dies ausfällt, könnte die übliche Zyklizität bei den Preisen wieder in Gang gesetzt werden. Die versicherten Schäden bei…