Erschienen in Ausgabe 10-2017Märkte & Vertrieb

Viele Wege führen nach Palo Alto

Konzern-IT oder Insurtech – Welches Innovationsmodell sich durchsetzt, ist ungewiss

Von Dominic EggerVersicherungswirtschaft

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Ohne Insurtechs schafft die Branche die Digitalisierung nicht, Innovationen entstehen nur durch Disruption und kreative Zerstörung der etablierten Unternehmen. Der erste Blick in die deutsche Versicherungslandschaft im Jahr 2017 könnte dies vermuten lassen. „Wir sind natürlich IT-mäßige Dinosaurier”, bekannte zum Beispiel SDK-Chef Ralf Kantak auf dem Stuttgarter Versicherungstag. Schließlich sitzen die großen Riesen auf IT-Systemen aus den 1970er Jahren, die auf den Namen Cobol hören. Was fast nach einem Hausgeist klingt ist die Abkürzung für Common Business Oriented Language, eine Programmiersprache aus den 1950er Jahren, Kantak nennt sie eine „Altlast“.
Die wendigen Start-ups hingegen arbeiten in der Cloud, sie setzen alle und erfolgreich Lean Start-up oder Scrum ein. Benutzerfreundlichkeit sowie schlanke und schnelle Entscheidungswege gehören zu ihrer DNA, Durchstarten statt Altlasten – so lautet der Nimbus um die Neuen im Markt. Können die Insurtechs, was andere im Markt nicht können?
Der auf die gesamte Branche geweitet Blick zeigt ein differenzierteres Bild der digitalen Transformation: Orte der Innovation finden sich schließlich entlang der gesamten Wertschöpfungskette der Versicherungswirtschaft.

Versicherungskonzern will sich neuerfinden

„Ich möchte Software schreiben, die Menschen benutzen.“, sagt André Kurz. Seit dem Jahr 2000 arbeitet der Kölner in der IT der Axa, erst als Fachinformatiker, dann studierte er auf dem Ticket des französischen Versicherers weiter. Inzwischen Scrum Master in einem sechsköpfigen Team, entwickelte er u.a. für die Axa-Tochter DBV das Portal Fit4Ref.de, ein Portal für Lehramtsreferendare, oder Axa Smartschutz, eine Handyversicherung.
Von Scrum zum ersten Mal gehört hat Kuntze allerdings nicht bei der Axa, sondern während des Studiums. Dort bekamen Entwicklerteams schon vor der Insurtech-Welle mehr Beinfreiheit und durften sich in agilem Projektmanagement versuchen. Seit über fünf Jahren setzen die Axa-Entwickler dabei auch Scrum ein.
„IT war in meiner Wahrnehmung schon immer ein zentraler Bestandteil bei Axa“, sagt Kuntze. „Das wurde in den letzten Jahren durch eine andere Kundenerwartung, Stichwort Smartphone und digitale Präsenz, noch verstärkt.“ Von der digitalen Transformation lässt er sich immer noch gerne überraschen: „Während meines Studiums war das Fazit in Büchern zu künstlicher Intelligenz: Das wird nicht wirklich möglich sein. Und heute sind wir mittendrin! Die Digitalisierung überrascht einen.“
Hindern die…