Erschienen in Ausgabe 10-2017Trends & Innovationen

Ausgebremste Zukunft

Lang, schwer und teuer – Elektroautos auf der IAA sind so ineffizient wie SUVs

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Zwischen Chrom, Vertrauensverlust und vielen Stolperschwellen auf dem Weg zum Elektroauto öffnete die 67. Internationale Automobilausstellung (IAA) ihre Pforten. Probefahrten, Geländeparcours, Kinderaktionen – die IAA als Rummelplatz der Autowelt lohnt sich für die Besucher. Für die Aussteller habe die Messe dagegen ihre Ausstrahlungskraft scheinbar verloren. Die Zahl der Absagen renommierter Hersteller ist zum ersten Mal zweistellig. Nicht in Frankfurt sind unter anderem Aston Martin, Alfa Romeo, Cadillac, DS, Fiat, Infiniti, Mitsubishi, Jeep, Nissan, Peugeot, Rolls-Royce und Volvo. Bedeutender ist jedoch die Absage von Tesla – in Zeiten, wo die Elektromobilität vor ihrem Durchbruch steht. Elon Musk möchte lieber wie Apple seine Produkte in Zukunft auf eigenen Presse-Events zelebrieren und Nissan bevorzugt Elektronikmessen wie die Cebit in Hannover, wo die Vernetzung des Autos mehr im Vordergrund steht als die PS-Protzerei.

SUV-Boom überschattet E-Autos

Dass auch traditionelle Branchenvertreter wie Volkswagen und BMW ihre Innovationen kurz vor Beginn der IAA präsentieren, scheint die größte europäische Automesse nicht unbedingt aufzuwerten. Allerdings kann man die IAA-Verweigerer verstehen, da sie auf eigenen Roadshows nicht von Konkurrenzmarken umgeben sind. Und viel Geld sparen: 166 Euro kostet laut dem Verband der Automobilindustrie (VDA) ein Quadratmeter Ausstellungsfläche. BMW kommt so auf Mietkosen von rund zwei Mio. Euro. Dennoch ist die Messe mit 994 Ausstellern (2015 waren es noch 100 mehr) auf einer Fläche von knapp 200.000 Quadratmeter gut gebucht. Über 50 Pkw-Marken sind angemeldet, dazu mehrere hundert Zulieferer. Den Veranstaltern zufolge wird es 228 Weltpremieren geben, wie immer mit viel Tamtam, Feuerwerk und herumwirbelnden Tänzerinnen. Die Mercedes-Tochter AMG stellt ihr lang erwartetes Hypercar mit 1.000 PS vor, der Mutterkonzern zeigt sein sechs Meter langes Maybach Vision 6 Cabrio, Volkswagen seinen neuen Polo, Porsche den dritten Cayenne-SUV, und der chinesische Autobauer Cherry will den europäischen Markt mit – was sonst – einem SUV erobern.
Während Stromautos für die Bürger unbezahlbar sind, holt sich jeder vierte Deutsche einen SUV und der Boom ebbt nicht ab, das belegt auch die Neuheiten-Flut auf der IAA. Welche Folgen hat das eigentlich für die Verkehrssicherheit? „SUV-Fahrer sind entgegen ihrem zeitweiligen Image von der Psychologie her ganz ‚normale‘ Fahrer, oft auch Ältere und Frauen, die die bessere Sicht schätzen“, erklärt…