Erschienen in Ausgabe 10-2017Unternehmen & Management

Die Ruhe vor dem Sturm

In Monte Carlo spielten die Rückversicherer die Schäden der US-Hurrikans noch herunter, dann folgten erste Gewinnwarnungen

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Als vor 16 Jahren die Rückversicherer zu ihrem alljährlichen Treffen in Monte Carlo zusammenkamen, mussten sie vor dem Fernseher live miterleben, wie einige ihrer Mitarbeiter im World Trade Center ums Leben kamen. Die Welt-Assekuranz hatte aus Anlass der Kumulereignisse damals um die 40 Mrd. US-Dollar gezahlt. In diesem Jahr könnte ebenfalls ein historisches Cat-Erlebnis die Branche verändern. Während Hurrikan „Irma“ in Florida wütete, diskutierten am gleichen Wochenende die Teilnehmer des „Rendez-Vous de Septembre“ über die Sturm-Folgen an der sonnigen Côte d‘Azur.
Ob der erhoffte Preisumschwung eintritt, hängt entscheidend von der US-Hurrikan-Saison ab. Doch laut Experten steckt im Markt so viel Kapital, dass nicht einmal ein Megaschaden wie „Irma“ und „Harvey“ den Preistrend drehen würde. Die Ratingagenturen S&P und Moody’s erwarten für 2018 einen Rückgang der Prämien um bis zu fünf Prozent, der Konkurrent Fitch rechnet mit einem Minus von bis zu 7,5 Prozent.
Klammert man das Eigenkapital aus, das Investment- oder Erstversicherungsrisiken abdeckt, so liegt das Volumen für Rückversicherungs-Risikotragung derzeit weltweit bei 355 Mrd. Dollar. Hinzu gesellen sich weitere 81 Mrd. Dollar an im Wege von Sidecars, Risikoverbriefungen und Funded Reinsurance durch die Kapitalmärkte beigesteuertem Kapital. Die durchschnittlichen Kapitalkosten der Branche (gewogenes Mittel aus den Kosten für Eigen- sowie für nachrangiges Fremdkapital) liegen bei 7,4 Prozent, erwirtschaftet wurden in letzter Zeit auf das Risikokapital 8,4 Prozent. Letztere Zahl relativiert sich, bedenkt man, dass sie durch Reserve-Besserabwicklung und das langzeitige Ausbleiben von größeren Naturkatastrophen geschönt ist. „Nach wie vor gelten in der Rückversicherung niedrige Eintrittsschranken, die Zulassungsvoraussetzungen sind weniger stringent denn in der Erstversicherung. Ein Teil der Konkurrenz verhält sich irrational. Dies gilt insbesondere für die von ILS-Zeichnern zum 1. Juli 2017 akzeptierten, nicht rationalen Preiskonzessionen im Geschäftsfeld Florida-Hurrikans“, sagte Hannover-Rück-CEO Ulrich Wallin. „Derzeit befinden wir uns in einem recht stabilen Markt. Ungewissheiten ergeben sich aus der noch schweren Einschätzbarkeit der Schäden aus den Ereignissen Irma und Harvey.“

Ohne Schäden macht Rückversicherung keinen Sinn

Letzteres ist vor allem ein Überschwemmungsereignis – und da dauert es meist etwas, bis sich der volle Schaden manifestiert.Ohnehin gab Hannover Rück an, dass man in…