Erschienen in Ausgabe 10-2017Märkte & Vertrieb

Italien öffnet Geldbeutel für die Infrastruktur

Regierung will Wirtschaft mit massiven Investitionen auf Vordermann bringen

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Nach der Sommerpause, die von Extremhitze und Dürre sowie Wassermangel gekennzeichnet war, ist in Italien auch der politische Alltag wieder zurückgekehrt. Die gute Nachricht: Aus fast allen statistischen Rahmendaten geht hervor, dass Italiens Konjunktur an Fahrt aufnimmt; und auch auf dem Arbeitsmarkt gibt es Bewegung: Das Beschäftigungsniveau hat wieder den Stand von vor Beginn der Krise 2006 erreicht.
Mit massiven Investitionen in die Infrastruktur will die Regierung in Rom nun die Wirtschaft weiter ankurbeln und Italien modernisieren. Dies kündigte Premier Paolo Gentiloni in mehreren Ansprachen vor großen Wirtschaftsverbänden an. Aus den Kassen eines mit 47 Mrd. Euro dotierten Infrastrukturfonds, der mit dem Haushaltsgesetz 2017 eingerichtet wurde, sollen in den kommenden 15 Jahren Finanzierungen für die Modernisierung von Straßen, Häfen, des Bahnnetzes und des Nahverkehrs in den Städten und Metropolen lockergemacht werden. In der Tat gibt es im Land einen immensen Investitionsstau; die öffentliche Infrastruktur ist vielerorts – so auch in der Hauptstadt Rom – völlig veraltet und rottet vor sich hin. Gerade Schulen befinden sich baulich oftmals in einem erbärmlichen Zustand oder gelten als einsturzgefährdet.
13 Mrd. Euro sollen in die Modernisierung der Verteidigung sowie in die Förderung modernster IT-Technologie fließen. „Mit diesem Plan starten wir eine große Phase öffentlicher Investitionen im Infrastrukturbereich, die auf entscheidende Weise das Wirtschaftswachstum in Italien vorantreiben wird“, kommentierte Gentiloni. Nach Jahren des Stillstands sei jetzt die Zeit gekommen, wieder kräftig im Infrastrukturbereich zu investieren. „Wir alle wissen, wie entscheidend öffentliche Investitionen für die Entwicklung des Landes sind.“

Milliardenpaket für erdbebensicheres Bauen

Das Erdbeben von Ischia vor wenigen Wochen hat dabei noch einmal die Dringlichkeit verdeutlicht, Gebäude und Infrastruktur auf dem ganzen Stiefel gegen seismische Gefahren abzusichern. 7,7 Mrd. Euro sollen für erdbebensicheres Bauen und entsprechende antiseismische Sicherheitsstandards in öffentlichen Gebäuden, Museen und Schulen verwendet werden. Auch in Forschung und Entwicklung, Umweltschutz und den Abbau architektonischer Barrieren will die Regierung investieren. Die italienische Versicherungswirtschaft hatte sich wiederholt für ein Programm „erdbebensicheres Bauen“ eingesetzt und eine Pflichtversicherung für seismische Risikozonen ins Gespräch gebracht.
Die schwere Erdbebenserie vor…