Erschienen in Ausgabe 10-2017Märkte & Vertrieb

Glücksspiel mit den Renten

Die Politik diskutiert über ein höheres Renteneintrittsalter, während Casinos ihre Risiken teurer absichern müssen

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Wie so vielen Rentensystemen in Europa fehlt auch dem britischen die Nachhaltigkeit. Das Renteneintrittsalter für die Jahrgänge 1970 bis 1978, dazu zählen ca. sieben Mio. Bürger, soll nun auf 68 Jahre erhöht werden. Insofern folgt die britische Regierung der Empfehlung einer unabhängigen Sachverständigenkommission. Ihr Ziel ist, dass im Schnitt 32 Prozent der Lebenszeit als Rentenempfänger verbracht werden sollten. Eigentlich hätte die Erhöhung des Renteneintrittsalters erst sieben Jahre später erfolgen sollen, aber anscheinend wächst der aktuarielle Druck. Die noch in der Opposition befindliche Labour Party sieht hierin eine Ungerechtigkeit. Sie gedenkt daraus ein Wahlkampfthema zu machen. Der Lobby-Verein für ältere Briten namens „Age UK“ stellt sich auf den Standpunkt, die Lebenserwartung beginne nun zu stagnieren, daher fehle es an der Notwendigkeit einer Verzögerung des Renteneintritts.
Zunehmend erweisen sich auch die Alt-Pensionsverpflichtungen für britische Firmen als Mühlstein um den Hals, dessen Gewicht immer noch weiter zunehmen kann. Als Spezialversicherer hat Pension Insurance Corporation plc (PIC) sechs britischen Firmen die Pensionsverpflichtungen abgenommen. Das damit einhergehende Langlebigkeitsrisiko erfordert ein entsprechendes pufferndes Eigenkapital, jedenfalls wenn es im Selbstbehalt gelaufen wird. PIC zediert nun das eine Mrd. Pfund an Pensionsrückstellungen betreffende Langlebigkeitsrisiko im Wege eines Swaps an Scor. Der Rückversicherer war siegreich aus einer öffentlichen Ausschreibung hervorgegangen.
Mit Pensionen beschäftigt sich auch die Finanzmarktaufsichtsbehörde Financial Conduct Authority (FSA). Sie kritisiert, dass im Auftrag von britischen Firmen unabhängige Finanzberater viele pensionsberechtigte Mitarbeiter dieser Firmen überreden, ihre auf Basis „final salary/defined benefits“ funktionierenden Rentenanwartschaften gegen externe Rentenverträge auf Basis „defined contributions“ einzutauschen. Dies entspreche häufig nicht den objektiven Interessen der Betroffenen. Seit Großbritannien 2015 die Möglichkeit der Verfügung über Rentenanwartschaften einräumte, sind bereits für 50 Mrd. Pfund derartige Tauschgeschäfte zustandegekommen. Diese haben für die betroffenen Firmen den Vorteil, aus ungewissen und meist immer weiter eskalierenden Rentenzusagen feste einmalige Abfindungen zu machen. Im Visier der FSA sind derzeit die neun im Bereich solcher Umwandlungen am aktivsten tätigen Beraterfirmen. Drei von ihnen haben bereits eine…