Erschienen in Ausgabe 10-2017Märkte & Vertrieb

Aus drei mach zwei

Europas zersplitterte Aufsichtsbehörden werden stärker koordiniert

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Profitiert Frankfurt am Main vom Brexit und erhält den Zuschlag für den künftigen Sitzort der Europäischen Bankenaufsichtsbehörde (EBA)? Mit dem am 20. September von der EU-Kommission vorgelegten Vorschlag für eine stärkere Koordinierung der Aufsichten der Europäischen Wertpapier- und Marktaufsichtsbehörde (Esma) in Paris und der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (Eiopa) in Frankfurt, könnten sich die Chancen für die Mainmetropole verbessern, den Zuschlag zu bekommen. Die bisher in drei Teile aufgesplittete Europäische Finanzmarktaufsicht an drei verschiedenen Standorten soll künftig stärker vernetzt werden. „Eine stärker integrierte Finanzaufsicht wird die Widerstandsfähigkeit der Wirtschafts- und Währungsunion erhöhen“, sagte Kommissions-Vizepräsident Valdis Dombrowskis bei der Vorstellung der Reform der EU-Aufsichtsstruktur.Es müsse noch mehr getan werden, um die Regulierungs- und Aufsichtskonvergenz im Binnenmarkt zu verbessern, damit die EU-Finanzmärkte besser funktionieren und neue Herausforderungen bewältigt werden können. Die Reform-Vorschläge umfassen auch Maßnahmen, mit denen die Entwicklung von neuen Finanztechnologien (Fintechs) gefördert werden sollen.
Nach der Finanzkrise von 2007 überarbeitete die EU ihr Finanzsystem und führte ein einheitliches Regelwerk für die Regulierung in Europa ein. So wurden die Europäischen Finanzaufsichtsbehörden (ESAs) sowie der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) gebildet. „Diese Einrichtungen sind für die Gewährleistung gut regulierter, starker und stabiler Finanzmärkte in der EU von entscheidender Bedeutung“, so Dombrowskis.

Unabhängiger werden von nationalen Interessenlagen

Die Europäischen Finanzaufsichtsbehörden (ESAs) sollen neue EU-weite Aufsichtsprioritäten festlegen und deren EU-weite Umsetzung überwachen. Besonderes Augenmerk soll darauf gelegt werden, wenn Banken, Fondsmanager und Wertpapierfirmen geschäftliche Aufgaben auslagern oder in Drittstaaten verlegen. Ziel ist es, eine bessere Risikosteuerung zu gewährleisten: Der Eiopa fällt es zu, verstärkt die einheitliche Validierung der internen Modelle von großen Versicherungsunternehmen für die Berechnung der Solvenzkapitalanforderung zu validieren. „Dies soll die derzeit noch vorherrschende Fragmentierung auflösen und eine bessere Beaufsichtigung der großen grenzübergreifenden Versicherungsgruppen gewährleisten“, erklärte Dombrowskis in Brüssel.
Die drei Aufsichtsbehörden sollen in…