Erschienen in Ausgabe 1-2017Unternehmen & Management

Investiere lieber ungewöhnlich

Alternative Anlagen der Versicherer sind schwer zu finden, Infrastruktur ist ihnen bereits exotisch genug

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Das angesehene Fachmagazin Wine Spectator kührte den Brunello di Montalcino Campogiovanni des Jahrgangs 2006 zum viertbesten Wein in seiner Top-100-Liste. Diese Flasche dürfte dem Anspruch genügen, nach einer Allianz-Vorstandssitzung entkorkt zu werden. Schließlich stammt sie aus eigenem Hause. Vor 300 Jahren erklärte Großherzog Cosimo III. de’ Medici von Toskana die Hügel von Chianti zwischen Florenz und Siena zum ersten geschützten Weinanbaugebiet weltweit. Heute ist der Chianti Italiens beliebtester Rotwein und ein wichtiges Exportgut. Daran verdient auch die Allianz seit den 1970er Jahren, obwohl sie das eher als Corporate Social Responsibility betrachtet. Das Weingut San Felice in der Toskana fiel 2005 mit der milliardenschweren Übernahme des Versicherungskonzerns Riunione Adriatica di Sicurta (RAS) komplett an die Münchner. Es liegt im Süden des Chianti Classico, in der Gemeinde Castelnuovo. Die Preise für Wein sind in den letz­ten 20 Jah­ren stark gestie­gen. „Genuss, Erholung und ein gutes Investment“, preist der Versicherer die ungewöhnliche Kapitalanlage. Nicht die einzige im Portfolio der Allianz. So verdient Europas größter Versicherer auch an den Parkplätzen in der besten Einkaufsmeile der Stadt Chicago. 36.000 städtische Park­uhren wurden gegen eine Lizenz für 75 Jahre übernommen.

Renditen von sechs Prozent sind realistisch

Von Passagierzügen in England über regenerative Energien bis zu Tank & Rast-Autobahnraststätten: Neben den stabilen Umsätzen ist die langfristige Entwicklung und Funktion solcher Investitionen relevant. „Bei einem Monopol wie einem Flughafen oder einer Gasleitung muss man sich ebenso wie bei einem Tunnel keine Gedanken darüber machen, ob sie in Zukunft noch gebraucht werden“, erklärt die Allianz. Konzernchef Oliver Bäte hatte zuletzt vor allem grüne Engagements ausgeweitet. 70 Wind- und sieben Solarparks in sieben Ländern gehören zum Bestand von Allianz Capital Partners (ACP). Die Investitionen des Münchener Versicherers in erneuerbare Energien übersteigen mittlerweile die Marke von drei Mrd. Euro. Mindestens vier Prozent Rendite sollen diese einbringen.
Dem Branchenführer folgen allmählich auch andere Versicherer. Vor einem Jahr investierte erstmals die Signal Iduna in Windenergie und erwarb acht Onshore-Windparks in Nord- und Ostdeutschland von der wpd AG. Der Bremer Windparkentwickler baut derzeit den Offshore-Windpark Nordergründe, an dem auch die Gothaer beteiligt ist. Der Konzern hat aktuell etwa eine Mrd. Euro in…