Erschienen in Ausgabe 1-2017Schlaglicht

„Versicherungsgesellschaften sind keine Zockerbuden“

Immo Querner, Finanzvorstand des Talanx-Konzerns, über Risikohunger im Asset-Management

Von Versicherungswirtschaft

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Versicherungswirtschaft: Politische Unsicherheiten, regulatorischer Druck, niedrige Zinsen: Versicherer befinden sich in einem schwierigen Anlageumfeld. Wie nehmen Sie die aktuelle Risikolandschaft wahr?

Immo Querner: Sowohl die Kapitalmärkte als auch die Rahmenbedingungen der Kapitalanlage für europäische Versicherer haben in den vergangenen Jahren einen enormen Wandel durchlaufen. Aufgrund der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank müssen wir auch weiter davon ausgehen, dass das Zinsniveau deutlich unter dem langjährigen Mittel und für die Bunderepublik gleichgewichtigen Niveau verbleibt – selbst wenn es zu einer geringfügigen Erhöhung der Zinsen am langen Ende kommen sollte. Regulatorische Anforderungen wie Solvency II erhöhen zusätzlich den Druck, indem sie in vielen Fällen die ökonomischen Herausforderungen für Versicherer transparent und aufsichtsrelevant machen, teils aber auch zu zusätzlichen Verwerfungen und fragwürdigen Belastungen führen. Die Versicherungsindustrie kann hier nur an die Politik appellieren, die Branche auch wirklich verhältnismäßig zu regulieren. Die Branche muss zugleich die geänderten Anlagerealitäten akzeptieren und ihre Anlage­politik danach ausrichten.

Fehlt es deutschen Versicherern grundsätzlich an Risikobereitschaft im Investment Management?

Nein. Aufgrund der Verantwortung, die wir als Unternehmen für unsere Versichertengemeinschaft tragen, unterliegt die Kapitalanlage der Versicherer strengen Regeln. Versicherungsgesellschaften sind keine Zockerbuden. Die Struktur der Anlageport­folien leitet sich insbesondere aus den passiv­seitigen Verpflichtungen, den regulatorischen Rahmenvorgaben, Liquiditätsanforderungen und produktbezogenen Versprechen gegenüber den Kunden ab. Auch wenn es zwischen den deutschen Versicherern in ihren Geschäftsmodellen, ihrer Risikoausstattung und den internen Steuerungsprozessen sicherlich Unterschiede gibt, so spiegeln Struktur und Risikogehalt der Kapitalanlage die gestellten Anforderungen und ihre Verantwortung wider.

Wie steht es um den Risikohunger der Talanx?

Es gehört zu unserer auch im Aktionärs­interesse explizit formulierten Risikopolitik, nicht mehr als 50 Prozent unseres Risikokapitals auf Kapitalanlagerisiken im weiteren Sinne anzuwenden.

Welche unternehmerischen, welche fachlichen Skills sind im Asset-Management erfolgskritisch?

Wir brauchen erfahrene Spezialisten, die sich sicher zwischen buchhalterischen, regulatorischen, produktspezifischen, steuerrechtlichen und…