Erschienen in Ausgabe 1-2017Schlaglicht

Kein Appetit auf Risiko

Versicherer machen ihre Kapitalanlagen sturmfest und wollen die sinkenden Erträge mit mehr Effizienz ausgleichen

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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In Europa macht man es sich zur Gewohnheit, mit dem Schlimmsten zu rechnen. Beispielsweise damit: Eine Krise an den Schwellenmärkten schwappt über, die Risikoprämien steigen abrupt an, vor allem in den Krisenstaaten Europas, das Wirtschaftswachstum bleibt dauerhaft gering, die Rohstoff- und Immobilienpreise sinken, gleichzeitig stellen die Märkte die Kreditwürdigkeit der öffentlichen Haushalte in Zweifel.
In der Folge verlieren Anleihen weiter an Wert, es kommt zu einer partiellen Austrocknung der Märkte, Krisenstaaten müssen mehr Zinsen für ihre Schulden bezahlen, das Gleiche gilt für Banken und andere Unternehmen. Wegen der teureren Refinanzierung der Unternehmen gehen die Aktienkurse in den Keller, das viele überschüssige Geld flieht in kurzfristige Anleihen. Es klingt wie Finanzkrise 2.0, was Eiopa die Versicherer in seinem jüngsten Stress-Test hat durchrechnen lassen. Nur diesmal würden die Staaten finanziell noch viel schwächer da stehen als Ende 2008. Die Möglichkeiten, mit Liquiditätspumpen die Wirtschaft wieder in Gang zu setzen, wären sehr gering.

Versicherer überstehen den Double-Hit

Dass Eiopa unter der Leitung von Gabriel Bernardino zusammen mit dem European Systemic Risk Board (Präsident: Mario Draghi) ein solches Szenario entwirft, hat also gute Gründe. „Double Hit“ nennen sie es, weil es ein plötzliches Ansteigen der Risikoprämien mit dauerhaft niedrigen Zinsen kombiniert. „Das Double-Hit-Szenario stellt eine plausible, aber extreme Situation dar,“ schreibt Eiopa.
Das europaweite Rechenexempel zeigt, wie enorm wetterfest die Versicherer ihre Kapitalanlagen gemacht haben und wie gut das Risikomanagement funktioniert. In dem Double-Hit-Szenario würden die Kapitalanlagen der analysierten Versicherer zehn Prozent an Wert verlieren. 610 Mrd. Euro würden sich dadurch quasi in Luft auflösen. Gleichzeitig sinken aber auch die Verpflichtungen. 18 Prozent der gestressten Assets sind fondsgebundenen Produkten zugeordnet. Wertverluste trägt der Kunde. Die simulierte Finanzkrise 2.0 würde in der Summe die Verpflichtungen um 450 Mrd. Euro reduzieren.
Es bleibt ein Saldo von 160 Milliarden zulasten der Versicherer, 2,5 Prozent ihrer Kapitalanlagen, knapp 30 Prozent des Überschusskapitals. Aber die Zahl der Versicherungspleiten wäre selbst in dieser Extremsituation gering. Von den 236 untersuchten Versicherern würden nur zwei einen Double-Hit nicht überleben. Angesichts der Ausmaße der simulierten Kapitalmarkt-­Katastrophe wäre das ein bedauerliches, aber…