Erschienen in Ausgabe 1-2017Märkte & Vertrieb

Erhöhte Temperatur

PKV sollte sich auch auf das Szenario einer Bürgerversicherung vorbereiten

Von Julia Palte und Tobias SchmarbeckVersicherungswirtschaft

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Geprägt von anhaltenden politischen und gesellschaftlichen Diskussionen um regulatorische Veränderungen, soziale Gerechtigkeit und verändertes Kundenverhalten steuert der deutsche PKV-Markt trotz engagierter Stabilisierungsversuche einer ungewissen Zukunft entgegen.
Seit Jahren ist die Zahl der KV-Vollver­sicherten stagnierend bis rückläufig. Die Zunahme der Prämieneinnahmen basiert beinahe ausschließlich auf Beitragsanpassungen und einem soliden Wachstum der privaten KV-Zusatzversicherung. Im Ergebnis liegt die Anzahl der Vollversicherungen nur noch knapp über dem Stand von 2005 (s. Abbildung 1). Gleichzeitig wechseln mehr Personen aus der PKV in die GKV, als dies andersherum der Fall ist (s. Abbildung 2). Gründe hierfür liegen in der insgesamt guten gesamtvolkswirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland, die viele Kleingewerbetreibende und Ich-AGs in Angestellten-Berufe mit Versicherungspflicht überführt. Die sinkende Verbeamtungsquote und weitere Markteffekte wie die Abkehr von „Billigtarifen“ erschweren die Situation für private Krankenversicherer. Hier sind zum Beispiel die Einführung der Unisex-Tarifwelt mit entsprechenden Beitragsanpassungen, die Portabilität der Altersrückstellungen sowie die jüngste Anhebung der Arbeitsentgeltgrenze mit weiter steigenden Prognosen für die kommenden Jahre zu nennen. Da die Anzahl der privaten Krankenversicherer in den vergangenen Jahren nahezu konstant geblieben ist, erhöht sich die Wettbewerbsintensität deutlich. Darüber hinaus steht nach wie vor das Szenario einer Bürgerversicherung (siehe Interview S. 28), stets in Abhängigkeit der politischen Machtverhältnisse in Berlin, die anhaltende Gerechtigkeitsdebatte sowie weitere mögliche regulatorische Anpassungen.

Neue Krankheitsbilder und Wettbewerber gefährden das Geschäft

Neben der stagnierenden bzw. sinkenden Anzahl an KV-Vollversicherten ist die PKV, ebenso wie die gesetzliche Krankenversicherung, mit erhöhten Krankheitshäufigkeiten und veränderten Krankheitsbildern konfrontiert. Der technologische Fortschritt kann hier nur bedingt Abhilfe schaffen, weil der damit verbundene Kostenschub und die medizinische Inflation insbesondere die privaten Krankenversicherer zu einer stärkeren risiko- und kostenadäquaten Anpassung zwingen. Das Resultat sind steigende Beiträge, die zum Teil massiv ausfallen.
Die etablierten deutschen Krankenversicherer stehen neuen Wettbewerbern gegenüber. Mit Ottonova wird 2017 ein privater Krankenversicherer in den Markt eintreten, der eine…