Erschienen in Ausgabe 1-2017Trends & Innovationen

„Anbiederung an populistische Trends verbietet sich“

Michael Hüther, Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft, über populistische Tendenzen und Wettbewerb in unsicheren Zeiten

Von Versicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.

Versicherungswirtschaft: Herr Hüther, im September vergangenen Jahres sind Sie für knapp vier Monate in die USA gereist, um als Gerda Henkel Adjunct Professor einer Lehrtätigkeit an der amerikanischen Elite-Universität Stanford nachzugehen – mitten im kreativen und intellektuellen Zentrum des Landes. Ihre Themenschwerpunkte waren die Nationenbildung in Europa und die soziale Marktwirtschaft in Zeiten der Digitalisierung. Wie haben Sie persönlich die intensiven Wochen und Monate erlebt?

Michael Hüther: Als eine unglaubliche Bereicherung. Das beginnt mit der Offenheit in der Uni und den vielfältigen Inspirationen, ob aus den Gesprächen mit Kollegen, mit Gästen oder mit den Studenten. Das setzt sich fort in den vielen Gesprächen im Silicon Valley. Immer gilt: Man ist bereit zum Gespräch und fragt nicht vorher schon, was raus kommen soll. Die San Francisco Bay Area – um den Großraum als wirtschaftliche Einheit zu nehmen – ist freilich auch aus Sicht der USA eine „Crazy Bubble“. Aber: man ist immer auf das Neue aus.

Hand aufs Herz: Hätten Sie mit einem Wahlausgang zugunsten Trumps gerechnet?

Anfangs nicht, in den letzten zwei Wochen schon eher. Es ist ja auch mehr eine Niederlage für Clinton als ein überragender Sieg für Trump. Er hat weniger Stimmen mobilisiert als Romney 2012 und McCain 2008. Aber im Valley herrschte die Meinung vor, dass nicht sein kann, was nicht sein darf.

Was halten Sie von der Reizfigur Donald Trump?

Trump hat mit seinen Reden voller Lügen und Invektiven den Raum des zivilen Miteinanders verlassen. Das war unerträglich und wird über den Wahltag hinaus das politische System der USA belasten. Den Reden werden aber Taten folgen. Es ist nicht davon auszugehen, dass er – wie manche deutsche Kommentatoren erwarten – gänzlich von den Sachzwängen eingeholt werden wird. Die ersten Personalentscheidung und Äußerungen lassen erwarten, dass er Kernthemen seiner Versprechen liefern wird.

Vom Worst- bis zum Best-Case – auf welche Veränderungen muss sich die Weltwirtschaft nach seinem offiziellen Amtsantritt im Januar einstellen?

Vor allem die Absage an den Freihandel, die Abschottung, die Drohung gegen ausländische Unternehmen wird uns weiter begleiten. Die Parole „America first“ birgt viel an Belastungspotenzial und Verunsicherung. Inwieweit höhere Infrastrukturinvestitionen und Steuersenkungen ausgleichend wirken werden, hängt sehr vom Kongress und den Fiskalfalken der Republikaner ab.

Tatsächlich lässt die Parole „America first“ nur wenig