Erschienen in Ausgabe 1-2017Märkte & Vertrieb

Investieren um jeden Preis

Gewaltiger Hebel, wenig Wirkung – für Versicherer bietet der Juncker-Fonds kaum Investitionsanreize

Von Thomas A. FriedrichVersicherungswirtschaft

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Die Investitionsoffensive für Europa – auch Juncker-Plan genannt – soll 2017 richtig durchstarten. Zentrales Element hierfür stellt der Europäische Fonds für strategische Investitionen (Efsi) dar. Statt der bisherigen 315 Mrd. Euro sollen bis zum Jahr 2020 stolze 500 Mrd. Euro gezielte Investitionen in ausgesuchte Infrastrukturprojekte in den Bereichen Digitales, erneuerbare Energien, Transport und soziale Infrastrukturen fließen. Ein Masterplan für die Versicherer als größte institutionelle Investoren in der Europäischen Union.
Doch das Prestigeprojekt des EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker wird von Ökonomen heftig kritisiert, weil es nicht ersichtlich ist, ob der Fonds überhaupt funktioniert. Der EU-Rechnungshof etwa, Prüfinstanz der EU-Finanzen in Luxemburg, warnt vor einer „Überbewertung“ des Plans. „Es wurden kaum Nachweise erbracht, dass die Aufstockung gerechtfertigt ist.“ In der Theorie soll Efsi den Investoren das Hauptausfallrisiko für riskante Projekte abnehmen. Das soll private Geldgeber dazu bringen, mehr zu investieren, was wiederum die Konjuktur ankurbelt und Jobs schafft. Wie riskant sind nun die Projekte, die ohne den Juncker-Fonds keine Chance auf Realisierung gehabt hätten? Unter den fast 300 genehmigten Projekten finden sich viele, die auch ohne zusätzliches EU-Geld zustande gekommen wären, darunter der Ausbau der Autobahn A6 in Deutschland. In diesem Fall entstehen keine zusätzlichen Arbeitsplätze und Investitionen.CSU-Finanzexperte Ferber geht noch weiter: „Der Efsi drängt häufig große institutionelle Investoren aus dem Markt, indem er deren Finanzierungskonditionen noch unterbietet.“

18 Efsi-Projekte für Deutschland

Sieht man sich die Efsi-Investitionen nach Sektoren an, ergibt sich bisher folgendes Bild: 32 Prozent kommt kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) zugute. 22 Prozent fließen in Forschung und Entwicklungsvorhaben. 20 Prozent werden in Energieinfrastrukturprojekte investiert. Elf Prozent der genehmigten Projekte kommen der Digitalen Infrastruktur zugute. Sieben Prozent fließen in Verkehrsprojekte, vier Prozent in Umweltschutz und Ressourceneffizienz und ebenso vier Prozent in soziale Infrastrukturen.
Deutschland profitiert unter den 28 EU-Mitgliedsaaten beim Stand von November 2016 mit 18 genehmigten Efsi-Projekten mit Investitionen von über zwei Mrd. Euro nach Italien, Frankreich, Großbritannien und Spanien an fünfter Stelle. Die Europäische Investitionsbank (EIB) rechnet damit, dass damit allein in Deutschland…