Erschienen in Ausgabe 1-2017Märkte & Vertrieb

Besser als gut

Schadenversicherer profitieren von einem sehr harten Markt

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Entgegen allen Unkenrufen beweisen die Schadenversicherer einmal mehr ihre Stärke. Die Versicherung von Autos, Häusern, Gartenmöbeln, Flugzeugen, Schiffen und vielerlei dergleichen mehr, darin liegt der Kern des eigentlichen Versicherungsgeschäfts. Was die Schadenversicherer drauf haben, zeigen sie seit der großen Versicherungskrise 2001 bis 2003 mit der Zuverlässigkeit eines Uhrwerks. In der Kfz-Versicherung steigen die Schäden kontinuierlich an. Immer mehr Autos fahren auf unseren Straßen und die Schäden nehmen nicht ab, Einparkhilfe hin oder her. Die teure Technik in den Karossen verteuert die Reparatur.
Um etwa drei Prozent werden die Beitragseinnahmen in der Kfz-Versicherung in diesem Jahr steigen, schätzt Fitch. Und wenn es gut kommt, wird die wichtigste Sparte der Schadenversicherer weiter zulegen, wenn auch schwächer als bisher. Nach GDV-Berechnungen ist die Durchschnittsprämie pro Auto von 215 Euro (2010) in der Kraftfahrthaftpflicht auf zuletzt 249 Euro gestiegen. In Kasko ist der Anstieg noch größer (von 260 auf 314 Euro).
Im Jahr 2015 stiegen die Beitragseinnahmen der Schadenversicherer von 71,2 auf 75 Mrd. Euro (Tabelle). Doch davon kommen 500 Mio. Euro durch die Übertragung von Teilen des Geschäfts des US-Versicherers Fireman’s Fund auf die AGCS und 800 Mio. Euro Prämie durch den Spezialversicherer International Insurance Hannover. Das zur Hannover Rück gehörende Unternehmen ist 2015 von London nach Hannover umgezogen. Hinzu kommen 369 Mio. Euro Prämie für den PSV, der rein nach dem Umlageprinzip versichert. Ohne diese Effekte wären die Beitragseinnahmen aber immer noch um 2,9 Prozent gestiegen, mehr als 2014 (+2,7%).

Geringe Erfolge bei Effizienzsteigerung

Nach Bafin-Zahlen steigt die Schadenquote 2015 um 1,4 Prozentpunkte auf 68,8 Prozent. Die Kostenquote sinkt von 25,4 auf 25,2 Prozent, die Nettoverzinsung geht von 4,2 auf 3,9 Prozent zurück. Es ist bemerkenswert, wie gering die Effizienzsteigerung in dem eigentlichen Kerngeschäft der Versicherer ist, trotz Personalabbau und kontinuierlicher Digitalisierung. Im Jahr 2001 lag die Kostenquote der Schadenversicherer bei 27 Prozent. Was die Versicherer beim Personal einsparen, geben sie für IT-Lösungen und die Reparaturarbeiten daran wieder aus, ein Teufelskreis. Die vermeintlichen Vorteile der Economies of Scale entpuppen sich de facto als trügerisch. 46,7 Prozent ist der Marktanteil der zehn größten Schadenversicherer, unverändert seit 2010 und nur 7,5 Prozentpunkte über dem Wert im Jahr…