Erschienen in Ausgabe 1-2017Unternehmen & Management

Wenn der Vorstand falsch entscheidet

D&O-Fälle werden komplexer und die Schadenansprüche höher – selbst Unternehmenspolicen lösen nicht jedes Problem

Von Dr. Stefan SteinkühlerVersicherungswirtschaft

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In regelmäßigen Intervallen wird in dem Bereich der D&O-Versicherung das Thema D&O-Einzelpolice hochgespült. Schon vor zehn Jahren wurden Sinnhaftigkeit und Erfolgsaussichten einer solchen Police diskutiert. Unterscheidungsmerkmal für diesen individuellen D&O-Versicherungsschutz ist, dass nicht, wie sonst üblich, das Unternehmen des Organmitglieds eine D&O-Police für ihn abschließt, sondern der Versicherungsschutz suchende Manager selber. Dies hat mehrere Konsequenzen. Zum einen verfügt das Organmitglied dann über einen eigenen Vertrag und ist „Herr“ über sein Limit. Zum anderen ist er aber auch Prämienschuldner und Verbraucher im Sinne von § 13 BGB, was wiederum weitergehende Beratungs- und Protokollierungspflichten für den Vertriebsweg bedeutet.
Rückblickend betrachtet startete die erste Marketing- und Produktentwicklungswelle mit Beginn der New-Economy-Krise, als sich der D&O-Markt verhärtete und sich die Policen für einige Unternehmen sowohl prämien- als auch bedingungsseitig so sehr verschlechterten, dass die betroffenen Manager eine Absicherung durch eine persönliche D&O-Versicherung suchten, vereinzelt auch über sogenannte Vermögensschadenrechtsschutz-Deckungen. Oft stellten auch die Gesellschafter von inhaber-/familiengeführten Unternehmen die Notwendigkeit einer D&O für das Unternehmen und einen gegebenenfalls vorhandenen Geschäftsführer in Frage, sodass dem Manager nichts anderes übrig blieb, als nach einer eigenen Versicherungslösung zu suchen.
Der Versicherungsmarkt war zu dem Zeitpunkt weder auf Anbieter- noch auf Vermittlerseite offen für Abweichungen von der Norm – hatte man sich doch gerade erst an die ohnehin schon versicherungsrechtlich anspruchsvolle Vertragskonstruktion einer D&O-Versicherung gewöhnt. Vor allem wurde immer die gesamtschuldnerische Haftung der Organmitglieder als Argument gegen eine individuelle D&O-Versicherung angeführt. Man befürchtete und tut dies teilweise immer noch, dass bei einer gesamtschuldnerischen Haftung mehrerer Organmitglieder von Seiten der Anspruchsteller bewusst diejenigen bevorzugt in Anspruch genommen werden, bei denen man weiß, dass „auch was zu holen ist“, sprich D&O-Versicherungsschutz besteht. Deckung schaffe nicht nur Haftung, sondern auch das erhöhte Risiko einer Inanspruchnahme.

Vorstände müssen sich am Schaden beteiligen

Mit dem 5. August 2009 und dem Inkrafttreten des Gesetzes zur Angemessenheit der Vorstandsvergütung (VorstAG) kam plötzlich das Thema…