Erschienen in Ausgabe 1-2017Märkte & Vertrieb

Warten auf Stunde Null

Versicherer profitieren schon jetzt vom Zinsschub durch steigende UK-Schulden und sinkende Ratings

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Bislang gingen alle Marktakteure davon aus, dass Finanzdienstleister aus Ländern, deren Aufsichtssysteme von der EU die Äquivalenz bescheinigt erhalten, freien Marktzugang innerhalb der EU genießen. Dies betrifft derzeit die USA, die Schweiz, Japan und die Bermudas. Vor dem Hintergrund des für März 2019 terminierten Brexits scheint insbesondere Frankreich die Folgen der Äquivalenz neu definieren zu wollen. Der immer wahrscheinlicher werdende „hard-Brexit“ ist somit keine bloße Folge des intransigenten Verhaltens von Premierministerin Theresa May, sondern auch des französischen Versuchs, die willkommene Gelegenheit zur Erhöhung des eigenen merkantilistischen Einflusses zu nutzen und gleichzeitig auch le Français wieder zur europäischen lingua franca zu erheben.
Derweil werden nach einer Berechnung des britischen Schatzamts die prognostizierten Steuereinnahmen während der nächsten fünf Jahre insgesamt 100 Mrd. Pfund niedriger ausfallen als bislang angenommen. Der bis vor wenigen Monaten amtierende Schatzkanzler George Osborne hatte für 2019–20 noch einen erheblichen Budgetüberschuss versprochen, sein Nachfolger Philip Hammond muss dies nun in drastischer Weise revidieren. Grund sind die aufgrund der gedämpften Wirtschaftstätigkeit versiegenden Steuereinnahmen.

Welche Schulden übernehmen Nordirland, Schottland und Wales?

Hinzu kommt die Verzögerung bei der Re-Privatisierung der Banken Lloyds und RBS. Insgesamt wird hieraus eine wesentlich steigende britische Staatsverschuldung resultieren. Institutionelle Investoren können sich daher wohl auf wieder steigende Marktzinssätze einstellen, was Pensionsfonds und Lebensversicherer erfreuen dürfte.
Das alles wirkt sich auch auf das Rating des Landes aus. Ende Juni hatte S&P das Vereinigte Königreich aufgrund der erwarteten negativen Brexit-Auswirkungen bereits von AAA auf AA herabgestuft. Ende Oktober kam von S&P die Drohung, es könne noch weitere Herabstufungen geben. S&P scheint vornehmlich an weitere budgetäre Schwierigkeiten zu denken und eine Auf­lösung des seit 1707 (Act of Union mit Schottland) bestehenden Staatenverbunds und die daraus resultierenden langjährigen Querelen noch nicht im Auge zu haben, welcher Nachfolgestaat denn für welchen Teil der Staatsschuld verantwortlich sein möge. 1922 war bereits der südliche Teil Irlands ausgeschert, in den nächsten Jahren könnten auch Nordirland, Schottland und möglicherweise auch noch Wales der Krone den Rücken kehren.
Das dank dem Central Fund für…