Erschienen in Ausgabe 1-2017Köpfe & Positionen

Im Profil Roland Oppermann

„Versicherung ist mehr, als nur den Beitrag zu kalkulieren“

Von Wolfgang OtteVersicherungswirtschaft

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Mit einer Körpergröße von über zwei Metern behält Roland Oppermann immer den Überblick. Diese Eigenschaft kann er für seine berufliche Tätigkeit als Finanzvorstand der SV SparkassenVersicherung (SV) gut gebrauchen. Immerhin ist der Manager für rund 25 Mrd. Euro Anlagevolumen verantwortlich. Zwar hat ihm das schwierige Klima an den Kapitalmärkten noch nicht die gute Laune verdorben, aber die Unsicherheiten durch eine immer unwägbarere Welt machen ihn nachdenklich. Beispiel Brexit: Wenn man zynisch sein wolle, könne man sagen, die Deutschen seien Brexitgewinner, erklärt der Vorstand. „Am Tag der Brexit-Verkündigung ist die SV mit einem Schlag um netto 100 Mio. Euro reicher geworden, weil Kapitalanleger in den sicheren Hafen Deutschland geflüchtet sind.“ Dabei seien die stillen Reserven auf Zinspapiere deutlich gestiegen.
Diese kurzfristige Sicht, ist seine aber nicht. Ihm macht die Ungewissheit über die Entwicklung des englischen Marktes in den nächsten zwei Jahren zu schaffen. Wie nachhaltig der Brexit die Märkte beeinflussen werde, hänge auch von dem Modell ab, dass nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU tatsächlich gefahren werde. „Der Brexit hat nur dann nachhaltig negative Auswirkungen für die EU, wenn das der Anfang vom Ende der Europäischen Union sein sollte“, glaubt der Manager. „Geht die EU gestärkt aus dem Trennungsprozess, wird das mittel- und langfristig die Märkte beruhigen.“

Ausgeprägter „Herdentrieb“

Indes räumt der ehemalige Basketball-Center ein, dass die Welt in früheren Zeiten deutlich überschaubarer gewesen sei. „Da konnte man bei stabiler Zinsentwicklung mit klaren Parametern arbeiten. Das ist schon seit Jahren vorbei.“ In der Welt der Kapitalmärkte gebe es inzwischen nicht mehr nur den einen Pfad. Die Komplexität ist größer geworden. Angesagt sei nunmehr, die Kapitalanlage immer mehr zu diversifizieren.
Der Familienvater weiß aber auch, dass an volatilen Märkten immer mal wieder was schief gehen kann. Die Kunst sei es, darauf gefasst zu sein und mit einer Mischung aus erfolgreicher Anlage und vom Ausmaß her möglichst begrenztem Misserfolg zu punkten. „Der weltweit vorhandene große Kapitalstock wird regelmäßig für höhere Ausschläge nach unten und oben an den Kapitalmärkten sorgen, da der Herdentrieb ausgeprägter wird.“ Entscheidend wird die Fähigkeit der institutionellen Anleger sein, diese Amplituden im Jahresabschluss auszuhalten und nicht in Zwangsverkäufe gedrängt zu werden. Im Mittelpunkt aller Überlegungen stehe für den…