Erschienen in Ausgabe 1-2017Köpfe & Positionen

Garantien und Gelassenheit.

Zu Management & Wissen: „Verzerrte Sicht auf das Risiko“, .

Von Henning KühlVersicherungswirtschaft

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Nur mit den Übergangsregeln passen einige Lebensversicherer in ihrer derzeitigen Gestalt in das Raster der neuen Regeln von Solvency II. Denn an den Garantien der Vergangenheit, die den Kunden dienen, tragen die Unternehmen jetzt schwer. Besitzer von klassischen Lebensversicherungen sollten aber wissen: Das systemische Risiko der Lebensversicherer ist nicht hausgemacht und dennoch zu bewältigen. Durch politisch gewollte, dauerhaft niedrige Zinsen haben einige Unternehmen in ihrer derzeitigen Ausrichtung größte Schwierigkeiten, langfristigen Verpflichtungen nachzukommen.
Grundsätzlich ist es hier zu begrüßen, dass die Bafin in diesen rauen Zeiten ihrer Kontrollfunktion nachkommt. Auch die risikobasierte Betrachtung von Solvency II ist sinnvoll. Versicherer dürfen nur verkaufen, was sie auch finanzieren können. Das ist nicht zuletzt im Interesse des Kunden. Man muss sich aber fragen, welchen Mehrwert das quartalsweise Reporting der Kennzahlen bringt. Schließlich können Lebensversicherer nicht mal so eben auf Volatilitäten reagieren und ihre Kapitalanlagen kurzfristig umstellen. Der jüngste Bericht zur Finanzkraft der Lebensversicherer hat dementsprechend heftige Debatten entfacht. Vor öffentlicher Panikmache ist zu warnen. Eine Übergangsfrist von 16 Jahren für Solvency II erscheint durchaus gerechtfertigt. Denn gerade Lebensversicherer müssen ihre Risiken und Chancen auf Jahrzehnte im Voraus modellieren. Das Risiko der Langlebigkeit kann nur so übernommen werden. Für die künftigen regelmäßigen Berichte halte ich etwas Gelassenheit für angebracht bei der öffentlichen Bewertung kurzfristiger innerjährlicher Schwankungen der Solvabilitätsquote.
Versicherungsnehmer sollten sich durch Szenarien von „Endlagern für Kunden“, von der unternehmenseigenen „Müllkippe“ und von „Auffanggesellschaften, die ihre neuen Kunden nicht mehr nett behandeln müssen“ darüber hinaus nicht schrecken lassen.
Denn Policen von Gesellschaften im Run-off können für An- und Verkäufer immer noch interessant sein. Ein Zusammenhang zwischen dem Erfolg einer Versicherungsgesellschaft und der Qualität der Policen ist allerdings nicht zu bestreiten. Die Änderung des Unternehmensstatus hat hier keine direkte Auswirkung für den Versicherungsnehmer. Die aktuellen Nachrichten zur Abwicklung von Altverträgen der Basler Leben in Bad Homburg, Arag oder Ergo sind aber über den Ankündigungsstatus noch nicht hinaus. Man kann noch nicht sagen, wie sich eine Übertragung eines klassischen…