Erschienen in Ausgabe 9-2016Trends & Innovationen

PZU treibt „Repolonisierung“ der Heimwirtschaft voran

Osteuropas größter Versicherer will zweitgrößte Bank Polens kaufen

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Die Führung des größten und von staatlicher Hand gelenkten Versicherers Polens ist eine Herkulesaufgabe. Regierungswechsel haben historisch direkte Auswirkungen auf das Management der Grupa Powszechny Zakład Ubezpieczeń (PZU). Seit 1989 haben mittlerweile 15 Manager den Versuch unternommen, Kontinuität beim an der Warschauer Börse gelisteten Versicherer aufzubauen. Dem Harvard-Absolventen Andrzej Klesyk gelang das mit einer Rekord-Amtszeit von acht Jahren am besten. Die Hälfte des polnischen Marktes für Sachversicherungen dominiert die PZU, 25 Prozent bei der Lebensparte.
Nach der Machtübernahme durch die rechtskonservative Recht und Gerechtigkeit (PiS) wurde zu Jahresbeginn der ehemalige Sekretär im Schatzministerium, Michał Krupiński, zum CEO ernannt. Er soll die Pläne der EU-kritischen Regierung in Warschau verwirklichen, ausländische Geldinstitute vom polnischen Finanzmarkt zu verdrängen. 58 Prozent der heimischen Bankenbranche kontrollieren ausländische Investoren. „Kapital hat ein Vaterland“, hat Wirtschaftsminister Mateusz Morawiecki (PiS) ausgerufen. Es könne nicht angehen, dass Schlüsselentscheidungen über den polnischen Finanzmarkt im Ausland getroffen würden, zitierte Anfang August die Tageszeitung Rzeczpospolita einen Regierungsvertreter. Vor diesem Hintergrund nutzt die Regierung ihren 35-prozentigen Machteinfluss beim Versicherer PZU und der größten polnischen Bank PKO BP (1/3 Drittel in Staatsbesitz), die einheimische Eigentümerschaft durch Zukäufe zu stärken. Im März erwarb PZU 25,25 Prozent der Aktien der Alior Bank, elftgrößtes Geldinstitut im Land, im April die polnischen Bankgeschäfte von GE Capital. Schon lange auf der PZU-Kaufliste: Polbank, die polnische Tochter der österreichischen Raiffeisen Bank International, die beim europäischen Banken-Stresstest unter den Schlusslichtern landete.
Auch die italienische Bankenkrise spielt Polen in die Hände. Um an frisches Kapital zu kommen, will die italienische HypoVereinsbank-Mutter UniCredit nun 40,1 Prozent ihrer Anteile an der zweitgrößten polnischen Bank Pekao abstoßen. Unicredit-Chef Jean-Pierre Mustier hat bereits Anfang August zehn Prozent der Anteile für 749 Mio. Euro veräußert. Mit einer Kapitalerhöhung will er ferner einem Rauswurf aus dem Euro Stoxx 50 entgehen, der dann dem Versicherungsriesen Generali droht.
Medienberichten zufolge hat PZU bereits Barbestände von knapp zwei Mrd. US-Dollar für den Kauf bereitgestellt. Das 40-Prozent-Paket an Pekao entspricht jedoch einem Wert von…