Erschienen in Ausgabe 9-2016Trends & Innovationen

Protektor verkauft Mannheimer-Bestand

Über die Tochter Salvamus gehen 107.800 Altverträge an die Heidelberger Leben

Von David GorrVersicherungswirtschaft

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Die Berliner Auffanggesellschaft für klamme Lebensversicherer, Protektor, führt Verkaufsgespräche über die rund 107.800 Verträge des verbliebenen Lebensversicherungs-Bestands, der 2003 von der in Schieflage geratenen Mannheimer Lebensversicherung übernommen wurde. Damals waren im Bestand noch 339.442 Policen, die Mannheimer wurde nach einer missglückten Aktienspekulation insolvent.
Als die deutschen Lebensversicherer 2003 Protektor als Sicherungsfonds gründeten, gab es noch keine Run-off-Spezialisten wie heute etwa die Frankfurter Leben und die Heidel­berger Leben. Letztere soll laut Medien­berichten als potenzieller Käufer bereits feststehen. Als ehemalige MLP-Leben gehört die Heidelberger inzwischen zu 80 Prozent dem britischen Investor Cinven und zu 20 Prozent der Hannover Rück.
Zuvor wird Protektor den auszugliedernden Bestand aus rechtlichen und steuerlichen Gründen auf die noch zu gründende Tochtergesellschaft Salvamus übertragen. Der Name ist Programm, „salvare“ bedeutet im Latein „retten“. Für die Lebensversicherungs-Kunden soll sich nach Aussage des Unternehmens ebenso wenig ändern wie für die Vermittler dieser Verträge. Ohnehin verlief die Abwicklung relativ ruhig, Kunden zahlten weiterhin Prämien. Die Stornoquote hat sich in den vergangenen fünf Jahren im Durchschnitt auf knapp drei Prozent eingependelt. Bezogen auf die gebuchten Beitragseinnahmen von 84,1 (88,9) Mio. Euro ergab sich 2015 eine Betriebskostenquote von 7,6 (7,7) Prozent. Mit sinkender Vertragszahl erhöhte sich indes die relative Verwaltungskostenquote, da die Kosten zu einem hohen Anteil durch Fixkosten bestimmt werden.
Mit dem Verkauf des Bestandes soll auch ein wesentlicher Teil der Mitarbeiter zur Heidelberger wechseln. Laut Geschäftsbericht beschäftigte Protektor 2015 durchschnittlich 69 (2014: 74) Personen (einschließlich leitende Angestellte). Nach der Veräußerung wird sich Protektor allein auf die Aufgaben als gesetzlicher Sicherungsfonds sowie als Auffanggesellschaft der Branche konzentrieren.dg