Erschienen in Ausgabe 9-2016Unternehmen & Management

Hagelmacher

Der BGV unterstützt einen Hagelflieger für den Großraum Karlsruhe

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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Wenn der normale Bürger schnell seine Gartenmöbel in den Schuppen räumt und sein Auto in die Garage fährt, macht sich Frank Kasparek startklar. Kasparek ist Pilot und betreibt mit seiner Firma FK Aviation eine Firma, die professionelle Hagelabwehr betreibt. Zwei Cessnas sind jetzt am Baden Airpark in der Nähe von Baden-Baden stationiert. Die Kleinflugzeuge heben ab, wenn Gewitterwolken im Anmarsch sind. Dann fliegen Kasparek und seine Mitarbeiter in den vorderen Bereich der Gewitterwolken und schießen in die Wolke eine Mischung aus Silberiodid und Aceton. Durch die starken Aufwinde verteilen sich das Salz und die Chemikalie in der Gewitterwolke, sie bilden Kondensationskerne und führen im Idealfall dazu, dass es zum Niederschlag kommt. Hagelflieger verhindern keinen Hagel sondern sorgen dafür, dass es an unschädlichen Stellen hagelt und dass die Hagelkörner nicht so groß sind.
Seit Ende Juli unterstützt auch der Badische Gemeindeversicherungsverband einen Hagelflieger. Er soll Hagelschäden im Großraum Karlsruhe zumindest minimieren. Baden-Württemberg und Bayern sind Teil des europäischen Hagelgürtels rund um die Alpen. Der Reutlinger Hagel vom 28. Juli 2013 hatte einen Schaden von 2,8 Mrd. Euro angerichtet, der größte versicherte Schaden durch ein Einzelereignis in der Geschichte der deutschen Versicherer. Sieben Hagelflieger sind in Baden-Württemberg tätig, hinzu kommen Hagelflieger in der Nähe des bayerischen Rosenheim. 150.000 Euro kostet der Unterhalt eines Hagelfliegers im Jahr. Der neue Hagelflieger in der Ortenau (das Gebiet um das badische Offenburg herum) wurde von der Hagelabwehr Ortenau e.V. initiiert. Es sind vor allem die Obst­bauern und Winzer, die durch die Hagelflieger ihre Ernte schützen wollen. Ob das wirklich funktioniert, ist umstritten. Der Meteorologe Jörg Kachelmann hält Hagelfliegerei für „Schwachsinn“.
Am 7. und 11. Juni ist es in der Ortenau zu heftigen Hagelereignisse gekommen, obwohl es für den Kreis eine Hagelabwehr gibt. Bei der Ver­einigten Hagel trudelten danach mehr als einhundert Schadenmeldungen ein mit einer Versicherungssumme von drei Millionen Euro, berichtete Bezirksdirektor Hans-Ulrich Eppler der Landwirtschaftszeitung Topagrar. Mit den Hagelschlägen im Mai gab es zusammen 200 Schadenmeldungen über eine Schadensumme von 4,5 Mio. Euro. Deutschlands größter Hagelversicherer steht der Hagelfliegerei skeptisch gegenüber. Nach jedem Ereignis werden die Gießener nicht müde darauf hinzuweisen, dass es wieder einmal nicht…