Erschienen in Ausgabe 9-2016Köpfe & Positionen

Die PKV im Fadenkreuz

Mehr Transparenz, Regulierung oder gleich die Abschaffung?

Von Elke PohlVersicherungswirtschaft

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Die deutschen privaten Krankenversicherer stehen vor erheblichen Veränderungen, die leicht zu Umbrüchen werden können. Auf der diesjährigen PKV-Konferenz von Euroforum am 22. und 23. August in Berlin wurden einige davon zum Teil kontrovers diskutiert.
Natürlich stand zum einen die Digitalisierung zur Diskussion. Hier forderte Staatsminister Karl-Josef Laumann diese zu nutzen, um die Transparenz im Gesundheitssystem zu erhöhen. So müsse beispielsweise dafür gesorgt werden, dass sich Versicherte privater Krankenversicherungen (PKV) nicht wie bisher deutlich mehr Untersuchungen unterziehen müssten als solche aus dem gesetzlichen System (GKV). Auch was die Beurteilung von Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen betrifft, müssen objektive Maßstäbe angelegt werden. „Sonst nimmt die Misstrauenskultur gegenüber dem Gesundheitswesen insgesamt weiter zu“, warnt Laumann. In der nächsten Wahlperiode müsse nach seiner Einschätzung die gesetzgeberische Tatenlosigkeit in Bezug auf die Regulierung der PKV beendet werden. Vor allem gehe es darum den gesetzlichen Rahmen etwa für die Patienten-Arzt-Kommunikation über Apps oder den weltweiten Zugriff auf Krankendaten per App zu schaffen.

„PKV ist kein Trittbrettfahrer“

Andreas Eurich, Vorstandschef der Barmenia Krankenversicherung, gibt ihm Recht und sieht noch Nachholbedarf bei der Umsetzung der digitalen Agenda, besonders in der Betreuung und im Schadenservice. „Es geht doch darum, wie wir die Kunden weg von Telefon und Brief und hin zu unseren Portalen bekommen, damit sie dort möglichst viele Dinge klären können“, mahnt er.
Dem Thema Finanzierung versicherungsfremder Leistungen durch die Krankenversicherung widmete sich Timm Genett vom PKV-Verband. Er hält es ordnungspolitisch für verfehlt, wenn sich der Staat sozialpolitische Dinge leiste, diese aber nicht bezahle. Betroffen ist davon vor allem die GKV, wie er am Beispiel der Familienversicherung festmachte. Die habe familienpolitische Gründe, würde aber komplett über Versicherungsbeiträge finanziert. „Die PKV wird oft als Trittbrettfahrer bezeichnet, wenn wir uns nicht an diesem falschen Finanzierungssystem beteiligen wollen. Doch wir tun das ganz bewusst“, fasste er zusammen.
Die Diskussion um die Bürgerversicherung hält Genett im Vorfeld der kommenden Bundestagswahlen nur für den Versuch der betreffenden Parteien, die eigenen Mitglieder zu mobilisieren, also praktisch für einen Marketing-Gag. In einer Diskussionsrunde positionierte sich die Grünen-Gesundheitspolitikerin…