Erschienen in Ausgabe 9-2016Schlaglicht

Vernetzte Goldgräberstimmung

Mehr Daten, neue Skills – die Underwriting-Revolution erfordert hohe Investitionen in IT und Humankapital

Von Hartmut MaiVersicherungswirtschaft

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Wie suchen Sie sich Ihr Urlaubshotel aus? Vor der Buchung prüfen Sie die Bewertungen von bisherigen Gästen auf einschlägigen Portalen. Wie entscheidet ein Versicherer, ob er ein Angebot für die Versicherung einer Hotelkette abgeben möchte? Er entwickelt auf Basis der Online-Kundenbewertungen der Hotelkette ein Rating, das die Sauberkeitsbewertungen mit dem Brandrisiko korreliert und lässt diese Analyse als zusätzlichen Parameter in die Risikobewertung einfließen. Dahinter steckt die Idee: Ein Hotel, das sein Kerngeschäft nicht zur Zufriedenheit der Kunden betreibt, wird womöglich auch beim Brandschutz nachlässiger agieren – und ist damit kein präferiertes Risiko für einen Versicherer.
Natürlich ist das Underwriting von Unternehmensrisiken in der Praxis um ein Vielfaches komplexer. Gleichwohl zeigt das simple Beispiel – im Übrigen ein Low-Budget-Projekt von Nachwuchstalenten der Allianz Global Corporate & Specialty SE (AGCS) – die Veränderung auf, der sich die Branche stellen muss: Aus der exponentiell wachsenden Datenmenge und sich laufend verfeinernden Analysemethoden ergeben sich grundlegende neue Möglichkeiten der Risikobewertung. Business Analytics, also die Veredelung und Auswertung von Daten sowie deren Untergruppen Data Mining (Wissen aus riesigen Datenbeständen) und Predictive Analytics (Vorhersage von Trends und Verhalten aus riesigen Datenbeständen) werden zunächst die bisherige Risikoanalyse ergänzen, langfristig womöglich sogar neu ausrichten. Vereinfacht geht es dabei immer darum, mithilfe anspruchsvoller statistischer und mathematischer Verfahren und Algorithmen in großen Datenmengen verborgene Muster, Trends und Zusammenhänge zu erkennen.

Zukunftsszenarien statt Altdaten

Datenanalyse gehört traditionell zum Kerngeschäft der Versicherer. Bisher liegt der Schwerpunkt auf der Analyse der bestehenden, internen Daten, die der Kunde zur Verfügung stellt oder die aus den eigenen Schadenakten stammen. Künftig werden jedoch die extern erzeugten Daten die intern gesammelten weit übersteigen. Ob im smart home oder in der digitalen Fabrik, ob über Fitnessarmbänder, Autopiloten oder vorausschauende Wartungssysteme: Menschen und Maschinen vernetzen sich immer stärker und produzieren unablässig Daten, die ins World Wide Web eingespeist werden. So erzeugen laut Vouchercloud die drei Milliarden Web-Nutzer sowie die vielen Milliarden via Internet vernetzten Geräte inzwischen 2,5 Trillionen Byte Daten – und das jeden Tag. 90 Prozent der heute verfügbaren…