Erschienen in Ausgabe 9-2016Märkte & Vertrieb

Haftpflicht wird teurer

Der Markt befindet sich in sehr guter Verfassung

Von Christoph BaltzerVersicherungswirtschaft

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In der Haftpflichtversicherung ziehen die Preise kräftig an. Im Jahr 2015 stiegen die Beitragseinnahmen um 4,6 Prozent an, berichtet die Bafin. Bereits im Jahr 2014 waren die Beitragseinnahmen um 4,7 Prozent gestiegen (Tabelle). Insgesamt verbuchten die Versicherer im Jahr 2015 9,2 Mrd. Euro Beitragseinnahmen in ihrer drittgrößten Sparte (nach Kraftfahrt und Feuer). Die ersten Auswertungen des Kölner Instituts für Ver­sicherungsinformationen (Kivi) bestätigen den Trend. Nach neuesten Zahlen wuchs die AGCS in Haftpflicht um zehn Prozent, HDI um vier Prozent und VHV um fünf Prozent. Bei allen anderen Versicherern fielen die Veränderungen gering aus.
Die Versicherer nutzen die gute Marktverfassung dazu, ihre Reserven aufzustocken. Nach Bafin-Zahlen für 2015 stiegen die Rückstellungen für Vorjahresschäden um zehn Prozent auf 18 Mrd. Euro an. Das sei „verhältnismäßig deutlich,“ merkt die Behörde in ihrem Jahresbericht an. Die Haftpflichtversicherer haben eine Doppelbelastung durch die Schadeninflation und durch die niedrigen Zinsen. Medizinische Dienstleistungen verteuern sich in stärkerem Maße als der Rest des Warenkorbes. Im Jahr 2014 verzinsten sich die Kapitalanlagen der Versicherer im Schnitt mit 4,2 Prozent. Vor zehn Jahren waren es noch 5,3 Prozent gewesen.

Haftpflicht wächst stärker als andere Sparten

Das 2011 bekannt gewordene Reserveloch bei der Zurich hat den Versicherern schlagartig bewusst gemacht, dass es auch hierzulande zu einem Problem mit Unterreservierung kommen kann. Marktweit summiert sich die Schadenrückstellungsquote derzeit auf das Dreifache der Beitragseinnahmen (Tabelle). Vor zehn Jahren lag die Quote noch bei 238,5 Prozent. Der Langfristvergleich zeigt, in welchem Ausmaß sich die Haftpflichtversicherung verteuert. Die Zahl der Verträge stieg von 2004 bis 2014 um lediglich zwei Prozent. Doch die Beitragseinnahmen wuchsen im gleichen Zeitraum um knapp 20 Prozent. Das Prämienvolumen wächst in der Haftpflicht stärker als in den anderen Sparten. Im Gesamtgeschäft legten die Beitragseinnahmen der Schadenversicherer in diesem Zeitraum um 15,2 Prozent zu. Insgesamt ist die Haftpflichtsparte in einer kerngesunden Verfassung, zumindest auf den ersten bilanziellen Blick. Was in den Verpflichtungen steckt, wissen allein die Aktuare. Von den 65 aufgeführten Unternehmen weisen nur zwölf negative technische Ergebnisse (nach Schwankungsrückstellung) aus. Auffällig ist das negative technische Ergebnis bei dem Industrieversicherer HDI-Gerling (jetzt HDI…