Erschienen in Ausgabe 9-2016Köpfe & Positionen

Inhomogene Märkte.

Zu Titelreport: „Management-Karrieren International“,

Von Christian SchüsslerVersicherungswirtschaft

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In den DAX-30-Unternehmen liegt der Anteil von ausländischen Vorstandsmitgliedern bei circa 27 Prozent. Hiervon ist die deutsche Versicherungswirtschaft weit entfernt. Getreu dem Motto „All Business is local“ entsteht der Eindruck, deutsche Manager bleiben auf Vorstandsebene lieber unter sich. Quantitativ ist dies unbestritten. Gleichwohl lohnt sich eine differenzierte Betrachtung.
Nationalität oder Internationalität in den Vorstandsgremien ist kein Selbstzweck, sondern folgt einem klaren Nutzenkalkül. So werden sich bei den 550 unter deutscher Bundesaufsicht stehenden Versicherungsunternehmen nur dann ausländische Vorstandskollegen in ihren Reihen finden, wenn es einen Mehrwert für die Gesellschaft bietet. Dieser findet sich bei den überwiegend rein national tätigen Erstversicherungsunternehmen nur selten. Dazu sind die rechtlichen Datenkränze der Versicherungsmärkte zu unterschiedlich. Anders als bei dem beispielsweise international eher homogenen Automobilmarkt sind die Versicherungsmärkte inhomogen.
So gibt es in Deutschland betriebene Sparten und Produkte in anderen Ländern nicht oder sie werden auf völlig unterschiedliche Weise reguliert. Selbst die Vertriebswege und Kundenerwartungen lassen sich nur partiell miteinander vergleichen. Das bedeutet nicht, dass die national tätigen Erstversicherungsunternehmen mit dem Fokus auf das Privat- und Firmenkundengeschäft sich vor internationalen Entwicklungen verschließen. Beispielsweise sorgen überregionale Arbeitskreise wie „EURAPCO“ von Versicherungsvereinen auf Gegenseitigkeit für einen Informationsaustausch. Darüber hinaus erfolgt ein Know-how-Transfer über internationale Entwicklungen durch Verbandsarbeit und Ausschüsse auf zumindest europäischer Ebene. Die Notwendigkeit, einen ausländischen Vorstand in den eigenen Reihen zu begrüßen, erwächst daraus aber nicht.
Ein etwas anderes Bild ergibt sich bei deutschen, international agierenden Versicherungskonzernen, bei Industrie-Versicherern sowie bei Rückversicherern. Verfolgen Versicherungskonzerne Internationalisierungsstrategien und gewinnen ausländische Märkte einen nennenswerten Anteil am Gesamtgeschäftsvolumen, gesellt sich gern ein ausländischer Kollege in die deutschen Unternehmensvorstände. Dies gilt vor allem für die Industrieversicherer, die häufig aus dem Inland heraus weltweit ihr Geschäft betreiben. Hier vermischen sich inländische und ausländische Märkte, was nicht zuletzt daran liegt, dass die deutschen Unternehmenskunden Niederlassungen im…