Erschienen in Ausgabe 9-2016Schlaglicht

Balanceakt zwischen Risiko und Gewinn

Unternehmerische Perspektiven für die Produktentwicklung in der Industrieversicherung

Von Dr. Michael BergerVersicherungswirtschaft

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Unternehmen agieren in einem gesellschaftlichen, technologischen, ökonomischen und natürlichen Umfeld, das ihr Handeln bestimmt. Wandelt sich das Umfeld oder ändert sich die Unternehmung, so wandeln sich die Risiken, die Unternehmen betreffen. Ein Beispiel hierfür ist die aufsichtsrechtliche Verordnung zur Meldepflicht des Verlusts von Kundendaten in den USA zu Beginn der 2000er Jahre. Dies führte zu einem neuen Risiko für Unternehmen mit großen elektronisch gespeicherten Kundendatenbanken.
Zudem kann die Realisierung von bestehenden Risiken dazu führen, dass sie neu bewertet werden. Diese Neubewertung stellt einen Perspektivwechsel dar. Ein Beispiel hierfür sind Betriebsunterbrechungsschäden bei Zulieferern von Unternehmen nach den Fluten in Thailand 2011. Das Risiko dieser Schäden war auch vor 2011 vorhanden, nur änderte sich die Bewertung der Möglichkeit bedingter Betriebsunterbrechungsschäden nach Eintritt der Ereignisse.

Auszahlungen für Schäden können sich verzögern

Beide Veränderungen führen dazu, dass Unternehmen ihre Position neu an den wahrgenommenen Risiken ausrichten müssen. Dazu zählen etwa die Anpassung durch operative Maßnahmen, der Kauf von Finanzprodukten oder die Adjustierung der Kapitalstruktur. Ein Beispiel für operative Maßnahmen wäre etwa der Aufbau eines dezidierten Risikomanagements für die gesamte Wertschöpfungskette oder der Verkauf von Geschäftseinheiten. Die Kapitalstruktur lässt sich etwa durch Erhöhung des Eigenkapitals anpassen, wodurch dem Unternehmen bei Realisierung eines Risikos Kapital zur Verminderungen der finanziellen Auswirkungen zur Verfügung steht. Als Finanzprodukte lassen sich Währungsderivate und Industrieversicherung nennen.
Die Industrieversicherung indes kann als die Versicherung von Unternehmen verstanden werden, welche keine Versicherer sind. Unter diesem Verständnis wird keine Unterscheidung mehr zwischen kleinen und mittleren Unternehmen in der Gewerbe- und mittleren und großen Unternehmen in der Industrieversicherung getroffen. Natürlich haben Unternehmen in einer früheren Entwicklungsphase andere Risiken im Fokus als in einer späteren Phase, ebenso unterscheidet sich die Risikolandschaft etwa eines Gastronomiebetriebes von der eines Automobilherstellers. Dennoch bleibt der Charakter des Versicherungsnehmers als Unternehmen derselbe und grenzt sich von der natürlichen Person ab.
Der Industrieversicherung ist ferner eigen, dass sie ein Kapitalversprechen darstellt, welches sich bei Eintritt von gewissen, vor…