Erschienen in Ausgabe 9-2016Märkte & Vertrieb

Bezahlbare Prämien und versicherbare Risiken

Gegenseitigkeitsversicherer kommen an neuen Technologien nicht vorbei

Von Karlheinz RenderVersicherungswirtschaft

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Nach dem starken Rückgang gegen Ende des 20. Jahrhunderts erfahren die Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit (VVaG) tatsächlich eine leichte Wiederbelebung. In den letzten Jahren sind deren Umsätze stärker gewachsen als die des gesamten Versicherungsmarktes, wobei sich ihre Stärke insbesondere auf dem Höhepunkt der Finanzkrise zwischen 2008 und 2009 zeigte, die sie besser überstanden haben als andere Marktteilnehmer. Obwohl der Anteil der VVaG am weltweiten Versicherungsmarkt seit 2007 leicht gestiegen ist, bleibt er immer noch deutlich unter den bisherigen Höchstständen zurück.

Anforderungen an risikobasiertes Eigenkapital erhöhen den Druck

Der Anteil der weltweiten Prämien von VVaG im Lebensbereich lag etwa 2014 bei 23 Prozent und damit deutlich unter dem Niveau von rund 66 Prozent Ende der 1980er- und Anfang der 1990er-Jahre, bevor eine Welle von Demutualisierungen eine Reihe von Ländern erreichte. Der Anteil der VVaG am gesamten Versicherungsmarkt stieg von 24 Prozent der gebuchten Erstversicherungsprämien im Jahr 2007 auf knapp über 26 Prozent im Jahr 2014 und kehrte damit einen Teil der rückläufigen Entwicklung der vergangenen Jahrzehnte um. „Die Tatsache, dass der Marktanteil nach der Erholung des Weltwirtschaftswachstums nicht zurückgegangen ist, lässt darauf schließen, dass die Erholung des Segments von einer gewissen Dauerhaftigkeit ist“, betont Kurt Karl, Chefökonom der Swiss Re.
Jeder Versicherungsverein auf Gegenseitigkeit arbeitet grundsätzlich zugunsten seiner Mitglieder und nicht zum Vorteil externer Aktionäre. Versicherungsvereine werden zugunsten ihrer teilhabenden Mitglieder oder Eigentümer geführt und nicht von außenstehenden Investoren gehalten oder gesteuert.
Trotz des positiven Abschneidens stellen sich den VVaG neue große Herausforderungen, insbesondere regulatorischer Art. Risikobasierte Eigenkapitalanforderungen, wie sie zum Beispiel unter Solvency II vorgesehen sind, können für die Gegenseitigkeitsvereine zu Wettbewerbsnachteilen führen, da ihre Portefeuilles häufig weniger diversifizert sind als die von anderen Versicherungsgesellschaften. Erschwert wird diese Situation dadurch, dass VVaG nicht ohne weiteres Kapital auf dem Kapitalmarkt aufnehmen können, vielmehr zur Absicherung eines volatilen Schadenverlaufs selbst systematisch Sicherheitsmittel erwirtschaften müssen. Gerade die Versicherungsvereine auf Gegenseitigkeit weisen aber häufig deutlich über dem Soll liegende Solvabilitäten aus, da sie konsequent ihre Gewinne zur…