Erschienen in Ausgabe 9-2016Unternehmen & Management

Geburtsstunde der Feuerwehr

Nach dem Großen Brand von London vor 350 Jahren entstanden die ersten Gebäudeversicherer

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Vor genau 350 Jahren wurde London durch eine Feuersbrunst weitgehend eingeäschert. Gemäß einer Hochrechnung des britischen Versicherungsverbands ABI würde eine Wiederholung dieser Katastrophe im Jahr 2016 durch Inflation und intensivere Bebauung Sachschäden von 37 Mrd. Britische Pfund auslösen, die entsprechenden BU-Schäden traute sich der ABI gar nicht erst zu schätzen.
Vom 2. bis zum 5. September 1666 zerstörten die Flammen 13.200 Wohngebäude, 87 Dorfkirchen, die Kathedrale von St. Paul’s sowie die meisten städtischen Gebäude, also fast alles innerhalb der einstigen römischen Stadtmauern. Verschont blieb der Stadtteil Westminster sowie der Palast von Charles II. Schätzungsweise 100.000 der verbliebenen Bewohner wurden obdachlos, nachdem ein Jahr zuvor 70.000 Londoner einer Pestepidemie zum Opfer gefallen waren. Die Zahl der Brandopfer ist nicht überliefert. Bereits Jahrhunderte zuvor waren Gebäude aus Holz und Reetdächern verboten worden, trotzdem waren 1666 derartige Konstruktionen noch weit verbreitet. Dabei hatte es 1632 schon einmal einen Großbrand gegeben und man hätte eigentlich gewarnt sein müssen. Viele der Gebäude waren sechs oder sieben Stockwerke hoch und die oberen Stockwerke kragten auch noch auf die Straße hinaus. Meist waren sie übervölkert. Offene Feuerstellen und mit brennbaren Stoffen umgehende Handwerke fanden sich allenthalben.
Löschversuche waren damals unüblich. Der Londoner Bürgermeister Sir Thomas Bloodworth hatte zu spät das Schlagen von Feuerschneisen angeordnet und den für die republikanisch gesonnene Bevölkerung inakzeptablen Einsatz von Regierungstruppen verhindert. Gestoppt wurden die Flammen schließlich durch ein Ende der sie anfachenden starken Ostwinde sowie die von der Mannschaft des Towers mit Sprengstoff geschaffenenen Schneisen.
Die über Tage währende Ausbreitung der Flammen gestattete immerhin noch einige private Massnahmen. In seinem legendären Tagebuch berichtet der Schiffahrtsadministrator Samuel Pepys, er habe noch rechtzeitig sein Geld, seine Wertgegenstände und seine Frau auf ein Themseschiff evakuiert und anschließend seine Weinvorräte und seinen damals sehr wertvollen Parmesankäse im Garten seines bald danach abgebrannten Hauses vergraben. Anscheinend verkochte weder der Parmigiano noch der Wein zu einem Fondue.
Ausgangspunkt des Brandes war die Bäckerei eines Thomas Farriner, der die Kriegsflotte mit Schiffszwieback belieferte. Der Witwer Farriner hatte sich und seine Kinder retten und anschließend seine…