Erschienen in Ausgabe 9-2016Unternehmen & Management

Geschärfte Sinne

Mit einer intelligenten Schadenprüfung nehmen Versicherer den Kampf gegen Betrüger auf

Von Uwe SasseVersicherungswirtschaft

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Als „Moment der Wahrheit“ wird der Schadenfall häufig bezeichnet. Dass es sich dabei auch um Momente des Betrugs handeln kann, weiß der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV). Dieser schätzt den Schaden durch Versicherungsbetrug in Deutschland auf gut vier Mrd. Euro. Das Problem ist schon lange bekannt. Auffälligkeiten in der Schadenmeldung, offensichtlich falsche Belege oder fehlende Nachweise haben die Aufmerksamkeit der Schadensachbearbeiter erfordert – und die Beweislast des Versicherers führte oft dazu, dass Nachforschungen eingestellt wurden. Aus Kosten- und Imagegründen.
Denn im Zeitalter des modernen Schadenmanagements und des Wettbewerbs kann es sich kein Versicherer leisten, die Abwicklungsgeschwindigkeiten zu verzögern oder als Leistungsverweigerer in die Schlagzeilen zu geraten. Da das Potenzial von über vier Mrd. Euro einzusparendem Schadenaufwand jedoch die Grundlagen der Prämienkalkulation positiv beeinflusst und die Wettbewerbsfähigkeit erheblich verbessert, ist das Thema inzwischen zur Chefsache avanciert. Der Rücklauf der Investition (Return on Invest) ist schon nach ein bis zwei Jahren spürbar. Entscheider jedoch wägen ab: Können wir uns ein Betrugserkennungssystem leisten oder nicht? Die eigentliche Frage müsste lauten: Können wir es uns leisten kein Betrugserkennungssystem zu haben?

Warnsignale richtig deuten

Am stärksten betroffen ist nach wie vor die Kraftfahrt-Versicherung. Rund zwei Mrd. Euro an Schaden durch Betrug werden hier vermutet. In Szenarien wie „Vorsätzliche Herbeiführung eines Kraftfahrt-Haftpflicht-Schadens“ wird nach Daten gesucht, die betrugsauffällig sind. Mit der intelligenten Schadenprüfung der Gen Re wurde schon um die Jahrtausendwende eine Software vermarktet, die den Versicherern bei der Betrugsaufdeckung helfen sollte. Inzwischen hat arvato (Bertelsmann) die Weiterentwicklung und Vermarktung übernommen.
Die musterbasierte Lösung für die Kfz-Haftpflicht von Finanz-Data entstand aus einem Entwicklungsprojekt mit einem der größten deutschen Kraftfahrzeug-Versicherer. Hier wird das Autoassoziative Netz als eine Spezialform des Assoziativen Speichers eingesetzt. Wird ein Fall in einer unvollständigen oder teilweise veränderten Form eingegeben, so assoziiert das Netz das vollständige korrekte Muster. Die Häufung neuer, betrugsrelevanter Kriterien führt zu neuen Mustern, die das System „lernt“, bzw. Muster mit einer schlechten Bewertungsqualität vergisst.
„Übertriebene Reparaturkosten“…