Erschienen in Ausgabe 9-2016Märkte & Vertrieb

Ausgebremst auf der Überholspur

Kfz-Sparte zieht wieder an und dennoch bleiben die Gewinne aus, weil Vollkaskoprodukte gemieden werden

Von Rolf EngelhardtVersicherungswirtschaft

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Eigentlich hätten die spanischen Sachversicherer momentan allen Grund zur Zufriedenheit, denn die Umsatzentwicklung ist exzellent. Der über ein Jahrzehnt andauernde scharfe Preiskrieg in der wichtigen Kraftfahrtversicherung mit teils kräftigen Prämienrückgängen ist bereits vor rund zwei Jahren zu Ende gegangen. Zuvor musste der mit Abstand größte Teilbereich der Sachversicherer seit dem Jahr 2007 kontinuierlich negative Veränderungsraten beim Beitragsaufkommen hinnehmen. In den beiden vergangenen Geschäftsjahren hat sich die Situation für die Kfz-Versicherer zuerst spürbar stabilisiert. Aktuell steht für die ersten sechs Monate sogar ein kräftiges Prämienwachstum gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 4,8 Prozent zu Buche. Diese Wachstumsziffer liegt über jener der Nichtlebensversicherung als Ganzes, die in diesem Zeitraum nur um 4,2 Prozent zulegen konnte. Das jahrelange Sorgenkind ist unter Umsatzgesichtspunkten somit wieder in der Spur und hat als wachstumsstärkstes Teilsegment der Nichtlebensversicherung, die Krankenversicherung und die Haushaltsversicherung hinter sich gelassen.
Einer der entscheidenden Faktoren für diese Trendwende ist die deutlich verbesserte Wirtschaftslage. Nach Jahren der Rezession ist die spanische Wirtschaft 2015 wieder kräftig um 3,2 Prozent gewachsen und der Trend hält auch aktuell weiter an. Massive Unterstützung kommt ferner von der ultralockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank, die spanischen Banken erlaubt, den Kredithahn wieder kräftig zu öffnen. Direkte Konsequenz sind massiv gestiegene Neuzulassungszahlen, die für das Wachstum der Kfz-Versicherer aktuell den Katalysator darstellen. 2015 sind die Neuzulassungen um 20,9 Prozent auf erstmals wieder über eine Million Fahrzeuge angestiegen. Nach dem ersten Halbjahr 2016 steht ein Zuwachs von unvermindert hohen 12,2 Prozent zu Buche.
Ein Blick auf die Ertragslage zeigt indes ein anderes Bild. In der Nichtlebensversicherung als Ganzes ist im Geschäftsjahr 2015 die kombinierte Schaden-Kosten-Quote noch moderat um lediglich einen halben Prozentpunkt auf 94,7 Prozent gestiegen. Das zeigen die Zahlen im Jahresbericht 2015 der spanischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und Pensionspläne Dirección General der Seguros y Fondos de Pensiones (DGSFP). Der aggregierte Branchengewinn der Sachversicherer ist damit ebenso moderat um rund einen Prozentpunkt auf 9,6 Prozent der gebuchten Prämieneinnahmen gefallen. Die Alarmglocken läuten jedoch bei der Detailanalyse…