Erschienen in Ausgabe 9-2016Märkte & Vertrieb

Lasst die Ameisen arbeiten

Chinesische Versicherer buhlen um eine Finanzplattform, die die Tarifkalkulation revolutioniert

Von Heng YanVersicherungswirtschaft

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If you can’t beat them, join them. Fintechs bringen mittlerweile die Riesen der Finanzbranche in derartige Bedrängnis, dass Banken und Versicherer zunehmend um sie buhlen. In China steht dabei besonders die Ant Group (Ant Financial Service) im Fokus.
Das Unternehmen wurde 2004 vom Internetkonzern Alibaba gegründet. Die Finanzplattform wickelt mit ihrer innovativen Informationstechnologie Massen von Zahlungen in Kleinstbeträgen ab. Daher leitet sich auch der Gründername Ant (engl. Ameise) ab und symbolisiert die Stärke der kleinen Ameisen. Denn aus den hohen Volumina der Einzeltransaktionen entstehen Daten, die für die Versicherer Gold wert sind.
Mit ihrem Cloud-Computing wickelt die Ant Group Massengeschäfte für Banken und Versicherer ab. Dabei können täglich hundert Millionen Transaktionen in die Tarifierung von Policen einfließen. Mit Big-Data-Analysen unterstützen die „Ameisen“ Versicherungsunternehmen bei der Beitragsfestlegung nach Risikogesichtspunkten, weil sie aufgrund der großen Datenbasis fundiertere Aussagen treffen können, welche Bevölkerungsgruppe bei welchen Aktivitäten höhere Schäden verursacht. Ihr Know-how in der Künstlichen Intelligenz bietet die Ant Group den Finanzdienstleistern für die Bearbeitung von Schadenfällen an, insbesondere zur Unterscheidung, ob die Schäden echt oder vorgetäuscht sind. Die Assekuranzbranche profitiert erheblich von diesem Service. Ein Transportversicherer hat nach eigenem Bekunden durch die Big-Data-Analyse der Ant Group herausgefunden, dass der Rückversand im Online-Shopping bei weiblichen Kunden erheblich höher als bei männlichen Kunden ausfällt. Der Versicherer gestaltete daraufhin spezielle Versicherungstarife für Internet-Händler mit ausgeklügelten Beiträgen für den Rückgabe-Transport. Ein Krankenversicherer wiederum nutzte die Erkenntnisse der Ant-Group, dass gerade Besserverdiener eine Privatkrankenpolice sehr gerne nachts online abschließen, um sein Angebot zeitlich entsprechend zu platzieren.
In diesen drei Bereichen, nämlich Cloud-Computing, Big-Data-Analyse und Künstliche Intelligenz, kann tatsächlich keine Bank oder Versicherer in China in Sachen Kapazität und Know-how den „Ameisen“ das Wasser reichen. Entscheidend ist, dass das Fintech viel größere Datenbestände besitzt. Das bewirkt, dass die Analyseergebnisse erheblich zuverlässiger sind als jene, die einzelne Banken und Versicherer auf der Basis ihrer relativ kleinen Datenbestände ermitteln. „Es muss in der Tat nicht sein, dass jeder…