Erschienen in Ausgabe 9-2016Märkte & Vertrieb

Strippenzieher im Sommertheater

Fusionsfieber um bevorstehende Übernahme der Generali-Gruppe durch die französische Axa schürt Ängste

Von Ingo-Michael FethVersicherungswirtschaft

Lesen Sie den vollständigen Artikel

Erhalten Sie Zugang zu allen Artikeln unserer Fachzeitschriften und Publikationen.
Die Meldung mitten in der ruhigen Ferien­zeit versetzte die Branche in Aufruhr: Angeblich sei der Axa-Versicherungskonzern unter seinem deutschen Vorstandschef Thomas Buberl an einer Übernahme seines Konkurrenten Generali aus Italien interessiert. In Italiens Finanzministerium herrsche derzeit „Alarmstimmung“, so die Berichte über angebliche Pläne, einen neuen europäischen Finanzriesen Axa-Generali zu schmieden. Die italienische Politik sorge sich, die traditionsreiche Assekuranz aus Triest, zurzeit Nummer Drei in Europa, könnte demnächst von der französischen Axa, der derzeitigen Nummer Zwei Europas, kontrolliert werden. Beide zusammen wären auf dem Kontinent der größte europäische Versicherer und würden den heutigen Marktführer Allianz vom Sockel stoßen.
Im Mittelpunkt der brodelnden Gerüchteküche steht dabei der französische Finanzier Vincent Bolloré. Dieser zählt mit rund acht Prozent Anteilen zu den größten Aktionären der an der Generali beteiligten Investmentbank Mediobanca aus Mailand. Zugleich sitzt er im Aufsichtsrat des französischen Versicherers Axa, der bereits seit geraumer Zeit ein Auge auf Generali geworfen haben soll. Die Gerüchte werden nun von mehreren Meldungen befeuert. Der Reihe nach: Die Hypovereinsbank-Mutter Unicredit könnte im Rahmen ihres angekündigten Programms zur Restrukturierung ihrer Beteiligungen auch ihre knapp neun Prozent Anteile an Mediobanca veräußern, so wird in Mailänder Finanzkreisen spekuliert. Ebenso könnte Ex-Regierungschef Silvio Berlusconi seine zwei Prozent Anteile an der Mediobanca abgeben. Diese Pakete wiederum könnte Bolloré aufkaufen und damit seinen Einfluß bei der Bank vergrößern – und so im Endeffekt einen Verkauf der Generali-Anteile an die Axa anschieben.

Axa schielt auf Osteuropa-Geschäft

Das Fass zum Überlaufen hat aber wohl die Meldung gebracht, daß Mediobanca-Chef Alberto Nagel bestätigte, bis 2018 seine Beteiligung bei Generali tatsächlich abbauen zu wollen. Und last, but not least ist der seit Frühjahr amtierende Generali-Chef Philippe Donnet nicht nur ein enger Freund von Bolloré, sondern war auch jahrzehntelang als Topmanager beim französischen Axa-Konzern tätig. Damit schließt sich für Freunde von Gerüchten und Verschwörungstheoretiker der Kreis. Spekulationen um eine solche Elefantenhochzeit tauchten in der Vergangenheit allerdings immer wieder auf. So hatte bereits 2005 ein angebliches Interesse der Axa am Mittel- und Osteuropa-Geschäft des italienischen Versicherers für Wirbel gesorgt.
Was ist…