Erschienen in Ausgabe 9-2016Märkte & Vertrieb

Beziehungsstatus: Es ist kompliziert

Britische Kfz- und Rückversicherer spüren bereits die Brexit-Folgen und gründen Tochtergesellschaften in der EU

Von Philipp ThomasVersicherungswirtschaft

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Im See-Radioverkehr wurde das französische „m’aidez“ (helft mir) zu „Mayday“ verballhornt. Die Zeiten von „Rule Britannia, Britannia Rule the Waves“ sind nach dem Brexit-Votum engültig vorbei. Zu Hilfe wird wohl niemand dem schlingernden und leckenden, mittlerweile von Theresa May kommandierten Kahn kommen. Vielmehr versuchen die französische Regierung und auch die EU-Kommission durch Absenden von Torpedos auch noch das Auseinanderbrechen des England-Schottland-Bugs zu beschleunigen, während Nordirland sich an den prosperierenden Süden der Insel anhängen dürfte, deren Hauptstadt Dublin London als Finanzzentrum beerben könnte.
Theresa May verfolgt das Ziel, alle Unsicherheiten bezüglich der Handelsabkommen auszuräumen, bevor der formale Austritt nach Artikel 50 Anfang 2017 erfolgt.Hierzu dürften wohl auch Regeln hinsichtlich des Fortbestands der Dienstleistungs- und Niederlassungsfreiheit sowie der regulatorischen Äquivalenz gehören, die britische Erst- und Rückversicherer noch genießen. Gleichzeitig legen sich britische Versicherer EU-Tochtergesellschaften zu, die sie vom im Ungewissen liegenden künftigen Verhältnis zwischen der EU und Großbritannien unabhängig machen. Beazley plc versucht derzeit Lizenzen für einen irischen Rückversicherer zu beantragen.

Lloyd’s Syndikate trauern verpasstem Nukleargeschäft nach

Mit ihrer Entscheidung, von der Errichtung einer neuen Nuklearanlage namens Hinkley Point „zunächst“ abzusehen, verprellte die neue Premierministerin Theresa May gleich zwei nationale Regierungen. Liefern und betreiben sollte sie – bei exorbitant hohen garantierten Strompreisen – die staatliche Electricité de France, zu einem Drittel von der Chinese National Nuclear Corporation finanziert. Begründung: Im Fall eines ungenügenden außenpolitischen Wohlverhaltens könnte China womöglich die Stromlieferungen drosseln. Dies gelte erst recht, wenn China gestattet würde, noch weitere Kernkraftwreke in Großbritannien zu betreiben. Chinesische Investoren planten, im Lauf der nächsten Jahre 60 Mrd. Pfund im Land zu investieren. Sie dürften sich nun verprellt fühlen und einen großen Bogen um den unzuverlässigen Partner machen, was das britische Wachstum weiter schrumpfen lässt. Regierungsmitglieder kritisierten May für ihre industriepolitische Volte-face. Immerhin geht es um ein 18 Mrd.-Pfund-Projekt. Ohne die Hinkley Point dürften die britischen Pläne einer Reduzierung der Abhängikeit von fossilen Brennstoffen ins Wanken geraten. Der britische Nuklearpool sowie…